Mehr als ein Jahr ist vergangen seit seiner filmreifen Vorstellung in Veitshöchheim. Seither ist der Bocksbeutel PS immer wieder im Gespräch – aber noch viel zu selten in den Supermarktregalen. Im Weinbauverband bleiben die Verantwortlichen optimistisch. In diesem Frühjahr erfolgt die erste große PS-Abfüllung. Und dann sollen sowohl Flasche, als auch Inhalte in aller Munde sein.

Auf etwa 6000 Hektar wird in Franken Wein angebaut. Die Hälfte der Ernte dieser Fläche soll 2017 nach den Worten von Herrmann Schmitt bereits in den neuen Bocksbeutel gefüllt werden. „Alle Genossenschaften sind dabei“, freut sich der Geschäftsführer des Verbandes. Dessen Präsident Artur Steinmann schätzt, dass acht bis zehn Millionen der neuen Flaschen bereits heuer in den Verkauf gelangen. Der Großteil kommt von den Genossenschaften – sechs bis sechseinhalb Millionen Bocksbeutel PS.

Positive Erfahrungen

Die Gebietswinzergenossenschaft Franken (GWF) mit ihren rund 1200 Hektar Anbaufläche hat frühzeitig ihre Bereitschaft signalisiert, auf das moderne Gebinde umzustellen. „Wir füllen Bocksbeutel nur noch auf PS“, teilt Vorstandsvorsitzender Andreas Oehm auf Anfrage mit. Die ersten Erfahrungen seien durchaus positiv. Aus dem Handel habe er die Rückmeldung bekommen, dass der Abverkauf richtig angezogen habe. Oehm ist guter Dinge, dass die meisten fränkischen Weinbaubetriebe nach und nach ebenfalls umstellen.

Insgesamt haben derzeit etwa 90 von 800 Betrieben eine entsprechende Lizenz beantragt. „Beinahe täglich trudeln neue Lizenzen bei uns ein“, freut sich Weinbaupräsident Artur Steinmann.

Der Sommerhäuser wollte es selbst wissen, hat bereits im September rund 20 000 Flaschen in seinem eigenen Betrieb befüllt. „Völlig problemlos“, versichert er. Die Umstellung sei sehr unkompliziert, der „Umbau“ der Füllanlage habe zwei Stunden gedauert und letztendlich 50 Euro gekostet. Seine Empfehlung an die Kollegen: Einfach mal ausprobieren.

Michael Fröhlich hat das getan. Der Escherndorfer VdP-Winzer und Sprecher der Winzervereinigung frank&frei hat eine Partie in den PS abgefüllt, „um mitreden zu können.“ Seine Erfahrung: Je filigraner die Füllanlage, desto schwieriger die technische Umstellung.

In der größten fränkischen Genossenschaft in Repperndorf wird der Wein auf zwei Anlagen befüllt. „Mit der kleineren hatten wir nahezu keinen Aufwand“, berichtet Andreas Oehm. Bis zu 2000 Flaschen pro Stunde können dort befüllt werden. Die größere Anlage schleust bis zu 11 000 Flaschen pro Stunde durch. „Da geht es um Millimeter, da muss alles stimmen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Einen „kleinen sechsstelligen Betrag“ habe die GWF für diese Umstellung investieren müssen. Oehm ist vom nachhaltigen Effekt dieser Maßnahme überzeugt.

Jede Füllanlage ist anders, jeder Betrieb hat unterschiedliche Ziele und Vorstellungen. Der Verband der Prädikatsweingüter (VdP) hält sich eher bedeckt. Dessen Vorsitzender Paul Fürst aus Bürgstadt kann nicht sagen, wie viele Mitgliedsbetriebe tatsächlich umstellen. „Die Quote ist derzeit nicht einschätzbar.“ Der Rotweinexperte selbst wird bei der Burgunderflasche bleiben. Sein Rat an die Kollegen ist allgemeiner Natur: Neuem mit einer positiven Grundeinstellung begegnen.

Die meisten Mitglieder der Vereinigung „frank&frei“ haben in den letzten Jahren auf eine längliche Flaschenform umgestellt. „Das hat sich bewährt“, sagt Michael Fröhlich. Dennoch ist er davon überzeugt, dass sich der neue Bocksbeutel langfristig durchsetzen wird. Zusammen mit Artur Steinmann will er einen Teil des Müller-Thurgaus 2016 auf den PS füllen lassen, um zu sehen, wie er vom Markt angenommen wird. Vorerst macht er sich aber intensiv Gedanken über die Etikettierung und vor allem um das Thema Bruchsicherheit und Lagerung.

Artur Steinmann weiß um diese Bedenken in der fränkischen Winzerschaft. Für ihn sind sie vor allem psychologischer Natur. Weder bei der Bruchsicherheit noch bei der liegenden Lagerung gebe es eine Garantie von Seiten des Flaschenproduzenten. „Aber die hat es bei den alten Bocksbeuteln auch nicht gegeben“, erinnert er. Daran hätten sich die Kollegen im Lauf der Jahrzehnte jedoch gewöhnt. Bei der Etikettierung zeigt sich der Weinbaupräsident als Pragmatiker: „Ich verwende nach wie vor meine alten.“ Dank des neuen Formats habe er jetzt eine weitere Option: eckige Etiketten.

Trotz aller Bedenken und Sorgen: Nach den Kenntnissen des Geschäftsführers Hermann Schmitt wollen nach und nach auch einige weitere namhafte Betriebe umstellen. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, bilanziert er, will aber nicht verschweigen, dass es auch Stolpersteine gegeben hat. Die Vertragsverhandlungen mit der Glashütte hatten länger gedauert als gedacht. Als der Bocksbeutel PS dann endlich in den Regalen auftauchte, sorgten Lockangebote für Irritationen. Für 3,99 Euro hat eine Lebensmittelkette beispielsweise die „Jungen Frank'n“ der GWF angeboten. Dann für 2,99 Euro.

Qualität des Inhalts gewährleistet

Dabei hatten sich einige Winzer darauf eingestellt, dass nur Weine im gehobenen Segment in den neuen Bocksbeutel kommen würden. „Damit müssen wir leben“, sagt Schmitt. Der Weinbauverband habe letztendlich keinen Einfluss auf die Preisgestaltung der großen Lebensmittelmärkte. Eine gewisse Bandbreite gebe es immer. Schmitt verweist auf die Bordeaux-Flasche, in der Weine von mehreren hundert Euro bis hin zu zwei Euro angeboten werden. „Der PS ist deshalb nicht verbrannt“, sagt er. Die Qualität des Inhaltes sei letztendlich gewährleistet. Ein Wein, der in den Bocksbeutel PS gefüllt wird, muss mindestens zwei Punkte in der Qualitätsweinprüfung bekommen haben. Nichtsdestotrotz wünscht sich Schmitt, dass der Handel diese Weine in einem „ordentlichen Preissegment“, anbietet.

Das wäre auch ganz im Sinne von Artur Steinmann. Dessen Wunsch: In naher Zukunft hat ganz Weinfranken auf den Bocksbeutel PS umgestellt. Entscheidend dafür sei es, die Serienfähigkeit hinzubekommen. Inzwischen betrachtet er die Diskussion um Vor- und Nachteile des PS ganz gelassen. „Wir sind damit auch überregional derzeit in aller Munde.“