Zum Artikel "Stadtrat schließt Städtisches Museum" vom 27. Juni erreichte die Redaktion folgende Mitteilung.

Der Stadt Kitzingen wird ihr eigenes Museum zu teuer. Über lange Jahre hinweg hat sie einen mehr auf den Massengeschmack zielenden "Gegenpol" zum Städtischen Museum großzügig gefördert und tut dies vielleicht sogar heute noch. Für Museum und Kaderschmiede wirtschaftlich starker überregionaler Faschingsverbände mit Verwurzelung im Rheinischen und Würzburger Raum war stets städtisches Geld da. Der künstlich geschaffene "Hauptbezug" zur Stadt Kitzingen lag wohl nur darin, dass hier dem organisierten Faschings-Lobbyismus von Anfang an durch die Überlassung von Immobilien und finanzielle Zuwendungen der rote Teppich ausgelegt und so für den flüchtigen Betrachter eine geschichtliche Kontinuität konstruiert wurde.

Die stillen und leisen Töne der eigenen Kultur und Geschichte hatten weniger Fürsprecher als das Laute, Schrille, Bunte und Aufdringliche. Dabei wären Organisationen mit Millionen (beitragszahlenden) Mitgliedern bundesweit, mit Unterstützung aus einer Vielzahl von staatlichen und privatwirtschaftlichen Fördertöpfen und einer florierenden Finanzorganisation wohl weniger stark auf die großzügige Hilfe der klammen Stadt Kitzingen angewiesen gewesen als das Städtische Museum.

Schnell und unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffene Entscheidungen sind nicht immer gute Entscheidungen. Wenn wirtschaftliche Gründe vorgeschoben werden, stellt sich stets die Frage: "Wie wurde denn vorher gewirtschaftet?" Museen, die "Gewinne abwerfen" kann man mit der Lupe suchen. Man misst Museen auch nicht nur banausenhaft am materiellen Ertrag und ihrer Akzeptanz beim oberflächlichen "Kultur"-Konsumenten. In einer immer infantiler und hedonistischer werdenden Gesellschaft mag die Anpassung an die Vorlieben der Party- und Eventszene gut bei der entsprechenden Klientel ankommen, aber auf lange Sicht ist das leichtfertige "Loslassen", wenn es um die Bewahrung und Aufarbeitung der eigenen Geschichte geht, die falsche Entscheidung.

Elvira Wiehl
97340 Segnitz