Zum Artikel "Söder bleibt das Schlappmaul" vom 9. Februar erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

In der gegenwärtigen Krisenlage halte ich die umfangreiche Berichterstattung über den Faschingsorden des Ministerpräsidenten für unangebracht. Bayern hatte und hat bei Corona die Nase vorn. Leider im negativen Sinn. Hier traten die ersten Fälle auf. Nachdem es am 23. Januar 2020 in Oberbayern wohl schon zu einer Gefährdungslage gekommen war, hielten die Taskforce für Infektiologie, das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und das Bayerische Gesundheitsministerium kurz darauf eine Pressekonferenz ab.

Auch Bundesgesundheitsminister Spahn sprach das Thema an und warnte schon im Februar vor einer Corona-Pandemie. Warnhinweise gab es am Münchner Flughafen bereits Ende Januar. Überall waren Schutzmasken und Desinfektionsmittel Mangelware. Angst machte sich breit. Der Ministerpräsident sah sich veranlasst, von Panikreaktionen abzuraten. Immer noch herrschte eine trügerische Sicherheit und man glaubte, das Virus unter Kontrolle zu haben. Das war leider ein Irrtum.

Während viele bereits die Krise kommen sahen, fanden die Führungsspitzen der beiden bayerischen Regierungsparteien immer noch Zeit, in der bis auf den letzten Platz besetzten Florian-Geyer-Halle in Kitzingen stundenlange Narreteien zu zelebrieren. Auch beim Politischen Aschermittwoch hatten alle Parteien "volles Haus". Die vielen Todesopfer, die die Pandemie seitdem gefordert hat, lassen einem das Lachen auf den Lippen gefrieren, denn bundesweit erwies sich das Faschingstreiben als gefährlicher Katalysator der Virusverbreitung.

Es gäbe also durchaus Wichtigeres zu recherchieren und zu berichten als die neuesten Entwicklungen von der Faschingsordensfront.

Manfred Ruppert
97340 Segnitz