Zum Artikel "Was ist dran am Schwarzbau-Vorwurf?" vom 2. Mai erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

Ich sitze bei herrlichem Sonnenschein am Kitzinger Marktplatz. Mein Blick fällt auf ein stilvoll renoviertes, repräsentatives Gebäude, das eine namhafte Buchhandlung beherbergt. Ich erinnere mich an ein tristes grau-bräunliches Gebäude, in dem einst der Kupsch residierte.

Kitzingen kann's, habe ich auf dem Weg zum Marktplatz gelesen. Ich sitze in der Sonne, trinke meinen Café, esse mein Eis und frage mich: Was kann Kitzingen? Ich lasse einige Jahre Revue passieren und es fällt mir nichts ein, was Kitzingen Großartiges gekonnt hätte.

Man wollte "Marshall Heights" weitgehend der Natur zurückgeben und so einen prosperierenden neuen Stadtteil verhindern. Eine sicher sehr zukunftsorientierte Denkweise. Eine unendliche Geschichte, die sich um die Genehmigung des Nahversorgungszentrums rankt. In anderen Kommunen würden schon Einkaufswägen rollen und Gewerbe- und Lohnsteuer in den Stadtsäckel fließen. Aber Kitzingen kann's halt.

Als alter Unterfranke verfolge ich noch immer, was in Kitzingen und Würzburg passiert. Im Zusammenhang mit dem Gebäude am Marktplatz eine Posse um Dachgauben. Da gibt es einen Baureferenten, der sich das gut vorstellen konnte, aber dessen Wort nur dann Gültigkeit bekommt, wenn er seine Aussage in Form eines Bescheides zu Papier bringt. Diesen Bescheid beschwert er dann mit Auflagen, die im Gespräch ausdrücklich ausgeschlossen waren.

Der Bauherr hat das mit den Zuständigen der Stadt Kitzingen, gemeinsam mit dem federführenden Architekten auf der Baustelle besprochen und es wurde "abgenickt", also zugestimmt, mit der Auflage, einen Tekturplan nachzureichen, was auch umgehend geschehen ist.

Zu diesem Zeitpunkt neigte sich das Jahr dem Ende. Es war Dezember. In Unterfranken ist das bekanntlich nicht die geeignete Jahreszeit, ein Gebäude längere Zeit ohne schützendes Dach zu lassen. Im Vertrauen auf ein gesprochenes Wort ließ der Bauherr die Gauben bauen und das Dach eindecken. Alles im guten Glauben, positiv bei der Entwicklung der Innenstadt mitzuwirken und einen Beitrag zur Urbanisierung und der Belebung des Stadtzentrums beizutragen.

Die Frage: Wen stören diese Gauben? Vermutlich ausschließlich das Amt für Denkmalpflege, das sich übergangen fühlt, weil der zweifelsfrei fundierte Sachverstand nicht abgerufen wurde. Kitzingen kann einen Bauherren und Investor, der schon sehr viel für die Entwicklung dieser Stadt getan hat, als Schwarzbauer brandmarken und dessen Diffamierung zulassen. Kitzingen kann sich aber nicht offen, modern und aufgeschlossen zeigen.

Thomas Gugel
90491 Nürnberg