Zum Bericht „Kreis-SPD wirft Astrid Glos aus der Fraktion“ vom 19. Oktober erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

Im Wahlprogramm der SPD für die vergangene Bundestagswahl stehen beeindruckende Sätze, die jeder vernünftig denkende Mensch kritiklos unterschreiben würde: „Wir stehen für eine Gesellschaft des Respekts. Eine Gesellschaft, in der wir uns gegenseitig anerkennen, auch wenn wir in vielerlei Hinsicht verschieden sind. Eine Gesellschaft, in der niemand auf andere herabschaut und in der Meinungsverschiedenheiten fair, zivilisiert und auf Basis unserer demokratischen Grundsätze ausgetragen werden.“

Schöne Worte. Wenn man den Umgang der Stadtrats- und der Kreistagsfraktion mit Astrid Glos damit vergleicht, ist leider festzustellen: Wie häufig in der Politik sind schöne Worte nur leere Luftblasen und entsprechen nicht der Realität. Politikverdrossenheit hat ihre Ursache in solch unerträglicher substanzloser Schönfärberei.

Es gibt nur wenige Menschen in der Stadt Kitzingen, die sich so vielfältig und umfassend in den verschiedensten Bereichen des Alltagslebens für die Allgemeinheit einsetzen. Das Engagement von Frau Glos verdient uneingeschränkten und höchsten Respekt, auch deshalb, weil es außerhalb jedweder parteipolitischer Färbung geschieht. KommunalpolitikerInnen ihres Formats braucht unsere zunehmend egoistische und besserwisserische Gesellschaft so dringend wie nie zuvor.

Wer sich so stark einsetzt, erfährt heutzutage nicht nur Zuspruch und Anerkennung; im Gegenteil: in bedenklichem Maße eher Neid, Kritik und Ablehnung. Astrid Glos hat sich durch ihren vielfältigen Einsatz und ihre starke Persönlichkeit offenkundig bei ParteigenossenInnen unbeliebt gemacht; doch anstatt im Sinne des hehren Parteiprogramms mit ihr „fair und zivilisiert“ umzugehen, ihr zutiefst sozialdemokratisches Wirken zu respektieren, drängt man sie nun aus der Kreistagsfraktion. Frage an den Fraktionsvorsitzenden Finster: Wo bleibt die „gegenseitige Anerkennung“, die „Gesellschaft des Respekts“?

„Mehr Demokratie wagen!“ verkündete einst Willy Brandt. Wie bedenklich weit sind die Stadtrats- und Kreistagsfraktion davon entfernt! Ihr Umgang mit Astrid Glos ist erschreckend schwach, total unsozialdemokratisch und lässt jegliche Souveränität vermissen.

Dr. Hans Bauer

97318 Kitzingen