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Kitzingen

Leserforum: Schließung auch aus Sicht der Jungen falsch

Zur Berichterstattung über die Entscheidung des Kitzinger Stadtrats, das Stadtmuseum zu schließen, erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift.
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Zur Berichterstattung über die Entscheidung des Kitzinger Stadtrats, das Stadtmuseum zu schließen, erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift.

Mit großer Verwunderung haben wir die Nachricht über die Schließung des Museums in der Stadt, in der wir aufgewachsen sind, gehört. Daher möchten wir uns einige Gedanken aus Sicht der jungen Generation zur zukünftigen Rolle eines Stadtmuseums erlauben.

Die Exponate in einem Museum können ein Erlebnis vermitteln und Erinnerungen generieren, welches Erzählungen und multimediale Inhalte so niemals könnten. Die meisten Kitzinger haben sicherlich ein Ausstellungsstück, an das sie sich besonders eindrücklich erinnern, für uns zum Beispiel die Kindheitserinnerung an den Mammutzahn aus der prähistorischen Sammlung im Rahmen eines Schulbesuches. So hätte auch  die Ausstellung zum 75. Jubiläum des Luftangriffs am 23. Februar 2020 ihren natürlichen Platz im Museum gehabt. Statt lediglich Bildtafeln in der Rathausdiele, hätten der Einmannbunker und weitere Objekte uns Nachgeborenen einen realistischen Eindruck vermittelt.

Der Blick in die Geschichte ist eine notwendige Lehre für die Gegenwart. Unzählige Möglichkeiten gäbe es, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen in Sonderausstellungen zu reflektieren: So ist vor dem Hintergrund der Diskussion um die Stilllegung einer Bahnstrecke und der Ansiedlung von Unternehmen der Zukunftstechnologien die Sonderstellung Kitzingens als Verkehrsknotenpunkt und die Entwicklung als Industriestandort interessant. Anlässlich der Corona-Pandemie könnte eine Ausstellung zur Pest und Spanischen Grippe in der Region Parallelen und Unterschiede im Umgang der Menschen mit Seuchen aufzeigen. Historische Flüchtlingsbewegungen hätten in ihrer Bedeutung für Kitzingen mit der aktuellen Migration verglichen werden können.

So könnten Jahrhunderte überspannende Kontinuitäten aufgezeigt werden, aber auch die extremen Wandel und Brüche, durch die die Stadt gehen musste und in unserem heutigen friedlichen Leben kaum mehr vorzustellen sind, dargestellt werden. Eine Aktualisierung des Konzepts wäre sinnvoll gewesen, nach der  Zerschlagung der über 125 Jahre gewachsenen Sammlung ist sie nicht mehr möglich.

Max und Simon Goller
97318 Kitzingen