Zum Artikel "Stadtrat Prichsenstadt will sparen: Fallen drei Erzieher weg?"  erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift.

Stimmung zu machen gegen die Verwaltung von Prichsenstadt ist meiner Meinung nach der neue Trendsport geworden. Eigentlich sind die Stadträte der Stadt vor einem Jahr zur Wahl angetreten, um die Interessen der (oder auch aller) Bürger und Bürgerinnen zu vertreten. Davon ist heute nichts mehr zu spüren.

Anstatt sich die Räte in dem knappen Jahr zusammenraufen, den Wahlkampf hinter sich lassen und beginnen, sich endlich für das Wohl der Bürger einzusetzen, sind die Stadtratssitzungen geprägt von Vorwürfen und Diffamierungen gegen die Stadtverwaltung und den ersten Bürgermeister.

So wurde in der letzten Sitzung von einem Rat nachgefragt, ob denn die Stunden der im Homeoffice arbeitenden Verwaltungsmitarbeiter nachgeholt würden, weil er aus den Medien wüsste, dass die Leute im Homeoffice ja nicht wirklich arbeiten. Ich arbeite gelegentlich auch im Homeoffice und würde gerne mal einen Tag Homeoffice mit einem Tag auf dem Bagger oder im LKW tauschen, damit sich der Stadtrat selbst ein Bild machen kann.

Ich halte es für unverschämt, wie sich manche Stadträte ohne Sach- und Fachkenntnis zu Äußerungen herablassen, die offensichtlich auf eine Beleidigung der Verwaltungs-Mitarbeiter abzielen. Für mich als Bürgerin ist es wichtig, dass mein Anliegen zügig und ordentlich bearbeitet wird. Nach meiner Erfahrung klappt das besser, wenn ausreichend Manpower dahintersteht.

In den vergangenen Stadtratssitzungen hat sich keiner von den Räten, die sich für eine Personalreduzierung in der Verwaltung einsetzen, geäußert, welche Stellen nach deren Meinung wegfallen könnten. Welche Mitarbeiter aus der Verwaltung entlassen werden sollen, weil sie entweder die erwartete Leistung nicht bringen oder der Arbeitsplatz nicht mehr benötigt wird.

Stattdessen kamen so interessante Anträge wie: "Die nächste Stelle, die frei wird, wird nicht wieder besetzt." Ärgerlich wird es, wenn das den Mitarbeiter vom Passwesen betrifft und man seinen Personalausweis dann in Kitzingen verlängern muss. Oder man in Prichsenstadt nicht mehr heiraten kann, weil der Standesbeamte fehlt. Oder man auf seinen Bauantrag nochmal drei Monate warten muss. Oder, wie im aktuellen Fall, sein Kind nicht im örtlichen Kindergarten betreuen lassen kann, weil elf Stadträte der Meinung sind, die Stadt habe zu viel Personal.

Ich würde mir wünschen, der Stadtrat findet ein bisschen mehr zu "Wir" und weniger zu blindem Aktionismus und Stimmungsmache. Prichsenstadt ist eine schöne Stadt und hat viel Potenzial. Aber bei so einer negativen Stimmung macht es hier aktuell keinen Spaß mehr.

Ich finde, die Mitarbeiter in der Verwaltung und der Bürgermeister machen einen anständigen Job – was will man mehr?

Andrea Hofstätter

97357 Prichsenstadt