Zum Artikel "Schwarzbau: Kolesch in der Kritik" vom Mittwoch, 22.Mai 2019, Seite 29.

Überschriften benennen die Kernaussage eines Textes punktuell und erzeugen durch diese Verknappung im Leser eine "vorintentionale Gespanntheit". So werden Überschriften zum Instrument der Leserlenkung, und dies wissen Journalisten sehr wohl zu nutzen. Soweit, sogut.

Was aber, wenn - wie im Artikel "Schwarzbau: Kolesch in der Kritik" (22.05.2019) - die Reduktion auf einen eindeutig definierten Terminus ("Schwarzbau") derart überzogen erfolgt, dass beim Leser der Eindruck entsteht, der namentlich (!) Beschuldigte habe im historischen Städtchen Iphofen tatsächlich einen monumentalen Schwarzbau errichtet, obwohl er im Innenbereich seines Anwesens eigentlich nur zwei schadhafte Dachflächenfenster ausgetauscht hat, wie dem nachfolgenden Artikel zu entnehmen ist. So wird Leserlenkung zur bewussten Irreführung und Namensnennung zum Rufmord. Der Leser fragt sich, ob man im historischen Iphofen dem abgegangenen Pranger aus dem Mittelalter so sehr nachtrauert, dass man ihn durch journalistische Instrumentarien von weit größerer Reichweite ersetzt. Schade für Stadt, Magistrat und Bürgerschaft - und den Getadelten!

Georg Drummer
91477 Markt Bibart