Geben ist seliger denn Nehmen - diese Redensart entspringt aus keinem geringeren Werk als der Bibel. Naja, und wer dürfte sich im Landkreis Kitzingen damit besser auskennen als die Klostergemeinschaft Münsterschwarzach? Dennoch prangt seit dem Wochenende die Überschrift auf der klostereignen Homepage „Verweigerung einer Impfung für die Mönchsgemeinschaft“ – in Großbuchstaben.

Man wäre schließlich eine Gemeinschaftsunterkunft. 320 Angestellte und 700 Schüler kämen täglich in Kontakt mit der Ordensgemeinschaft. Aber doch hoffentlich nur über Zoom, Webex und Microsoft Teams? Oder gelten für die Abtei kein Wechselunterricht und Homeoffice-Regelungen? Und die Studienlage zur Ansteckung über Videokonferenzsysteme ist nun wirklich etwas dünn.

Nun ja, gesetzliche Vorgaben scheinen in der nicht-weltlichen Welt sowieso wenig Anklang zu finden. So möchte man für sich eine Ausnahme von der Coronaschutz-Impfverordnung erreichen.

Halten wir also fest: eine Ordensgemeinschaft christlicher Benediktinermönche fordert öffentlich eine Ausnahme der Coronaschutz-Impfverordnung zu ihren eigenen Gunsten für nicht-vulnerable Gruppen, also kerngesunde junge Ordensbrüder, und dies zu Ungunsten von vulnerablen Gruppen, also krebskranke bettlägerige Senioren zu Hause im Rest der Welt, also der weltlichen Welt.

Was würde Jesus dazu sagen, von dem das Zitat aus der Überschrift stammt? Vielleicht ja: „Verweigerung einer Impfung für die Mönchsgemeinschaft!“ – in Großbuchstaben und mit Ausrufezeichen.

Karl-Heinz Zeisler
96160 Geiselwind