Möchtegernhelden und massakrierte Nazis

Armer Richard Rother, wie lange bist du schon tot? 20 Jahre? 30 Jahre? Ich weiß es selbst nicht genau. Nicht einmal den Toten lässt man ihre Ruhe, die Gnadenlosen von der Zeitung, die Generation Wohlstand und Überfluss.

Denkt einmal darüber nach, wie ihr euch zu dieser Zeit verhalten hättet, ihr Möchtegernhelden – wohl zu viele 'Ämärikänische Äktschnfilme' angeschaut, wo die guten Ämärikäner die bösen, bösen Nazis massakrieren. Es war eine Zeit großer Arbeitslosigkeit, da ist man für jede Arbeit (Auftrag) dankbar, da geht es nur noch ums satt werden und Überleben.

Übrigens – die Saat für das Dritte Reich wurde bei den schändlichen Versailler Knebelverträgen gelegt und kam nicht aus heiterem Himmel.

Manfred Wilhelm
97355 Wiesenbronn


Mainbernheim hat vorbildlich gehandelt

Bei einem Besuch meiner Eltern in Mainbernheim erfuhr ich von der Diskussion um Richard Rother und sein Verhalten in der NS-Zeit. Als ehemaliger Mainbernheimer, der in Kitzingen zur Schule ging, interessiert mich das sehr.

Die Frage, ob sich Herr Rother in der NS-Zeit den Nationalsozialisten nur angedient hat, um Aufträge zu erhalten, wie Herr Lechner spekuliert hat, ist leicht zu beantworten: Nein. Herr Rother hat bereits in den 1920er Jahren Werke mit eindeutig antisemitischem Hintergrund geschaffen, aus Überzeugung gehandelt.

Bestes Beispiel ist das Kriegerdenkmal in Mainbernheim: Es enthält explizit antidemokratische und antisemitische Elemente. Im Jahr 2010 hat die Stadt Mainbernheim eine Tafel angebracht, auf der sie sich vom Inhalt des Denkmals distanziert. Sie hat das Denkmal nicht entfernt oder zerstört, sondern es umgewidmet, dieser Umgang mit Geschichte ist vorbildlich.

Ob Herr Rother in Kitzingen als Vorbild Namensgeber einer Schule bleiben kann, scheint mir fragwürdig, wäre zu diskutieren und zu begründen. Er könnte es jedenfalls nicht unkommentiert bleiben. Bloß ein Künstler, der fränkische Idylle in Holz schneidet, war er jedenfalls nicht.

Wolfgang Kraus
66041 Saarbrücken

Vorschaubild: © ArchivFoto: Torsten Schleicher