Zur Berichterstattung über die Schließung des Städtischen Museums in Kitzingen erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

Sicherlich spülen die Eintrittsgelder für ein Städtisches Museum nicht so viel in den Stadtsäckel wie die Steuergelder eines Einkaufszentrums oder Hotels oder der Verkauf von städtischen Grundstücken an einen Investor. Ein Städtisches Museum ist ein Verlustgeschäft, aber der eigentliche Verlust beginnt erst jetzt nach der Schließung. Es ist ein Verlust für die ganze Stadt!

Als Lehrerin an einer Grundschule war ich mit meinen Klassen jedes Jahr einmal oder auch mehrmals im Städtischen Museum und Frau Falkenstein hat uns immer mit großer Offenheit empfangen. Und die Kinder durften ohne Eintrittsgeld hinein. Schon wieder keine Einnahmen, könnte man denken. Aber auf diese Weise konnten alle Kinder kommen, auch die, deren Eltern dafür nun wirklich kein Geld übrig haben. Dafür aber brachten die Kinder Interesse und Begeisterung mit. Ein echter Mammutzahn! Eine Schüssel aus der Bronzezeit, auf der noch der Fingerabdruck des Töpfers zu sehen war! Münzschüsselchen, mit denen unsere keltischen Vorfahren Handel betrieben haben! Hier wurden unsere Vorfahren lebendig. Hier wurde unsere Geschichte greifbar.

Und die Frühgeschichte war nicht das einzige Thema, das den Kindern durch das Städtische Museum nahe gebracht wurde. Staunend standen sie vor den alten Ansichten der Stadt. Als Teil der früheren Stadtmauer machte der Falterturm plötzlich Sinn. Und dass die Glauberstraße ihren Namen von Johann Rudolph Glauber hat, wo kann man das erfahren? Er war Apotheker, hat das Glaubersalz erfunden und lebte im 17. Jahrhundert einige Jahre in Kitzingen. Frau Falkenstein erzählte es uns in der historischen Apotheke im Städtischen Museum.

Die Geschichte der Stadt erwachte hier zum Leben. Warum gibt es in Kitzingen eine Paul-Eber-Schule, eine Paul-Eber-Straße. Mit großen Augen standen die Kinder da, wenn sich der Rollo öffnete, der die Paul-Eber-Bibel vor dem Tageslicht schützte.  Hier konnte die Paul-Eber-Bibel, die Luthers Freund mit nach Kitzingen gebracht hat, direkt bewundert werden. So alt! Nun kann man sie in Nürnberg anschauen – kein wirklicher Ersatz für die Kinder einer Grundschule. Genauso wenig wie die Tatsache, dass die Schätze der Kitzinger Stadtgeschichte in einem Depot gut verwahrt werden sollen.

Die Schließung des Städtischen Museums – ein großer Verlust besonders auch für die Kleinsten und Schwächsten in unserer Stadt. Einmal mehr wird ihnen die Möglichkeit zu einer realen Begegnung genommen. Der Erhalt des Städtischen Museums wäre eine Investition in die Zukunft gewesen, weil es die Vergangenheit der Stadt, den Bezug und die Liebe zu ihrer Heimat in die Köpfe und Herzen der Kinder gepflanzt hätte. Sie sind die Bürger von morgen. Hätte es sich nicht gelohnt, hier in Zukunft zu investieren?

Birgit Wagner
97318 Kitzingen

Vorschaubild: © Michael Mößlein (MainPost)