Zur Berichterstattung über die Entscheidung des Kitzinger Stadtrats, das Stadtmuseum zu schließen, erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift:

Vom Historiker Golo Mann stammt der Satz. "Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen". Die Mehrheit des Kitzinger Stadtrates, die die dauerhafte Schließung des Städtischen Museums entschied, machte deutlich, dass sie weder Wissen besitzt, noch sich ihrer Verantwortung als Mitglieder des Stadtrates bewusst ist. Mit dem  "Totschlagargument" der Kosten macht man es sich zu einfach und gleichzeitig besaß man nicht den Mut zu einer öffentlichen Diskussion.

Das Städtische Museum Kitzingen ist, wie andere ihrer Art auch, ein Ausstellungsort für geschichtliche und künstlerische Gegenstände, welche die Entstehung und Entwicklung der Stadt bis in jüngste Zeit widerspiegeln. Die Sammlung hat sicherlich ihre Lücken, da auch sie das Ergebnis von menschlichen Wahrnehmungen, Entscheidungen und Festlegungen ist.

Als das Museum 2007 wiedereröffnet wurde, geschah dies auf der Grundlage einer Dauerausstellung, die als fachlich kompetent und künstlerisch im hohen Maße gelungen gelobt wurde. Sie vermittelte den Besucherinnen und Besuchern das Bild der Stadt und regte dazu an, darüber nachzudenken, auf welchen Wegen und Umwegen  die Stadt zu dem wurde, wie sie in der Regel von Gästen wahrgenommen und erlebt wird. Aufgabe des Stadtrates wäre es deshalb, sich anhand dieser Entwicklung Gedanken zu machen, was die Stadt letztlich unverwechselbar und wertvoll macht und diese unverwechselbaren Charakterzüge durch seine Entscheidungen zu pflegen und zu betonen. Es sind diese besonderen Merkmale, die gerade auch für Besucher attraktiv sind, die aber auch vor allem ihren Bewohnerinnen und Bewohnern, unabhängig vom Alter,  Züge eines "Local Spirit" verleihen – nicht zu verwechseln mit "Kirchturm-Denken" – sie sind Ausdruck von Identifikation  und lassen die Stadt als ein urbanes "Wir" erscheinen.

Dafür ist es für den Stadtrat und den Oberbürgermeister eben unbedingt nötig zu wissen, wie die Stadt zu dem wurde, wie sie diese kennen. Sonst werden sie deren besondere Charakterzüge weder erkennen, noch sie zeitgerecht fortschreiben können. Zu diesen gehören übrigens das Stadtbild in gleicher Weise  wie eine funktionierende Wirtschaft und der hohe Stellenwert der Kultur.

Es ist auch selbstverständlich, dass die Präsentation des Städtischen Museums stets weiterentwickelt werden muss, inhaltlich und bezüglich der Nutzung neuer Methoden der Museumspädagogik. Gleichzeitig sollte die Zusammenarbeit mit den Schulen und anderen Kulturträgern ein fester Bestandteil der Arbeit sein.  Gesellschaftliche Themen und solche der Stadtgesellschaft sollten dort diskutiert werden, um aus der Geschichte zu lernen, auch wenn dies ohne Schmerz nicht möglich ist. Hier ist der Antisemitismus ebenso zu nennen wie das Thema Rassismus. Auch dazu können Artefakte im Städtischen Museum Anstöße geben.

Das alles ist nicht zum Nulltarif zu haben und sein Wert lässt sich nicht in Euros ausdrücken!

Bernd Moser,
97318 Kitzingen