Zu "NS-Vergangenheit: Neuer Name für die Wilke-Straße?" vom 21. September erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

Ich war bei der jüngsten Stadtratssitzung, in der es um die Umbenennung der Siegfried-Wilke-Straße ging, als Zuschauerin dabei. Im Vorfeld habe ich mir die einzelnen Anlagen gut durchgelesen, sprich den Antrag von Prof. Dr. Oppenheimer sowie die Stellungnahmen der Stadtarchivarin Doris Badel und des Altoberbürgermeisters Bernd Moser.  

Die Beweise für die Nazi-Vergangenheit des früheren Bürgermeisters Siegfried Wilke, vor allem für seine Mitverantwortung am Selbstmord des zu Unrecht in Schutzhaft genommenen Juden Benno Oppenheimer, sind erdrückend. So hat Wilke mehrmals die vorzeitige Entlassung Oppenheimers abgelehnt, sogar neun Monate nach dessen Inschutzhaftnahme. Offensichtlich wollte man ein Exempel statuieren und Härte zeigen. Wilke war ein überzeugter Nationalsozialist und zeigte dies in Taten und Worten.

Mit Spannung verfolgte ich die Diskussion der Stadträte, die schließlich im Konsens endete. Die 1991 nach Siegfried Wilke benannte Straße soll umbenannt werden und fortan Dagmar-Voßkühler-Straße heißen. Als es zur Abstimmung ging, zeigte das Stadtratsmitglied der AfD Mangel an Haltung! Herr Goldbach verließ bedauerlicherweise den Saal, um dann beim nächsten Tagesordnungspunkt wieder zu erscheinen. Wieso traute er sich nicht, seine Meinung zu zeigen und abzustimmen? Er hatte doch bestimmt eine. Diese Flucht vor der Verantwortung zeigt ein sehr befremdliches Demokratieverständnis.

Katharina Orlob 
97318 Kitzingen

Vorschaubild: © Björn Kohlhepp