Zum Artikel "Nikolaus Fey – kein Vorbild für die Schüler" vom 28. Oktober erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

Im Interview mit dem Schulleiter der Nikolaus-Fey-Verbandschule zitieren Sie Alt-OB Walter Hahn und den ehemaligen Archivleiter Dieter Krenz mit dem Argument: "...dass damals viele mit dem System der Nationalsozialisten sympathisiert hätten – weil sie gar nicht anders konnten." Und Herr Busch bemerkt: "Er war als Aktivist angeklagt, wurde später aber als Mitläufer eingestuft."

Für diese Feststellungen bin ich sehr dankbar, weil sie Nikolaus Fey als Mitläufer entlasten – aber nur scheinbar. Denn ganz das Gegenteil ist der Fall.

Als Mitinitiator der „Demo gegen die Salatfabrik“ weiß ich, wie wichtig es ist, dass viele mitlaufen, dass es viele Mitläufer braucht. Und ich bin heute noch jedem dankbar, der sich für diese Sache auf den Weg gemacht hat. Ohne Mitläufer läuft nämlich nichts. Und deshalb haben auch die Mitläufer den Erfolg oder Misserfolg einer Sache mitzuverantworten und können die Verantwortung nicht abgeben, an wen auch immer. Das gilt für Zeiten der Hexenverfolgung, wie für den Nationalsozialismus und auch für heute.

Gerade für eine Schule ist es wichtig, ihren Schülern zu vermitteln, dass sie für das, was um sie und mit ihnen passiert, mitverantwortlich sind, dass sie nicht ohnmächtig sind. Und dass niemand und auch kein System und auch kein Gott, sondern nur sie selbst für das gerade stehen müssen, was sie in ihrem Leben tun und für das, was sie nicht tun. Das muss der Anspruch einer Schule sein. Dazu passt es nicht, dem Namensgeber seine Mitläuferschaft in einem grausamen und menschenverachtenden System nachzusehen.

Nelson Mandela sagt: "Das Wort ist meine Waffe." Er hat mit dem Wort für Freiheit gekämpft. Nikolaus Fey hat das Wort benutzt, um damit den Nationalsozialismus zu unterstützen, um mit dieser Waffe für den Nationalsozialismus aktiv zu kämpfen. Das ist keine Ehre und dafür muss er und nur er die Verantwortung tragen.

Das Wort ist eine mächtige Waffe. Und es gibt kein besseres Beispiel als unsere Zeit, um die Wirksamkeit und die Gewalt des Wortes zu erkennen.

Wenn es um die Namensgebung für unsere Schule geht, kann ich nicht verstehen, warum nicht endlich der wirklich große Sohn von Wiesentheid – Carl Stumpf – zu der Ehre kommt, die ihm gebührt. Carl Stumpf ist einer der Mitbegründer der modernen Psychologie und damit auch der modernen Pädagogik. Er hat in der akademischen Welt Großes geleistet und wird als einer der letzten Universalgelehrten bezeichnet. Erst seit kurzer Zeit beginnt die akademische Welt, sein Werk und seine Leistungen zu erkennen und zu schätzen. Es ist sicher angebracht, ihn als Namensgeber für eine Schule in Erwägung zu ziehen.

In Wiesentheid ist Carl Stumpf unterbelichtet und Nikolaus Fey wird geehrt. Wird da nicht der Bock zum Gärtner gemacht?

Frank Hufnagel
97353 Wiesentheid