Gestern beobachtete ich die etwas resigniert wirkenden, nur noch vereinzelt auf dem Baum über dem Spielplatz hockenden Krähen. Nachdem sie so klug sind, hat es den Anschein, dass sie aufgeben. Bei allem Verständnis für den Spielplatz – auch meine Kinder vergnügten sich vor fast fünfzig Jahren dort – habe ich aber auch Mitleid mit den Vögeln.

Ich gehören zur Kriegsgeneration, unser Haus war nach dem Angriff unbewohnbar. Meine Familie machte sich aber baldigst an den Wiederaufbau. Niemand half , aber auch niemand hinderte uns daran . . .

Auch wenn der Vergleich vielleicht absurd und lächerlich erscheint, so ist es doch für die schwarzen Gesellen sicher äußerst kraftzehrend, immer und immer wieder ihre Nester nach deren Zerstörung neu errichten zu müssen.

Ich frage mich, wann sie noch Zeit haben, Nahrung zu suchen, um die Kraft zu finden, weiter zu machen.

Wie auch immer, ihr Klagegeschrei ging mir neulich, als ich im Friedhof an meinem Grab arbeitete, durch und durch. Wahrscheinlich wollen sie jetzt zu den anderen auf den Platanen an der B 8, aber die werden erbittert ihre Reviere und Nester gegen Fremdbesetzung verteidigen.

Also sind sie sozusagen jetzt Flüchtlinge! Ich verstehe die Stadt und trotzdem: die Krähen tun mir auch leid . . .

Ellen Warda
97318 Kitzingen.