Schutz vor dem Krach von den Bahngleisen: Das ist rund um Kitzingen nicht nur ein Thema, sondern in nicht allzu ferner Zukunft wohl auch Realität. Würzburg, Ochsenfurt, Goßmannsdorf, Marktbreit und Obernbreit dürfen wohl mit Schutzwänden rechnen, die große Kreisstadt bleibt vorerst außen vor. „Kitzingen ist nicht im Plan“, sagt Heiko Brückner, Sachgebietsleiter Straßen- und Schienenverkehr bei der Regierung von Unterfranken zur aktuellen Lage.

Weil der Güterverkehr wächst, wird es neben den Gleisen immer lauter. Lauter werden auch die Proteste lärmgenervter Bürger, was inzwischen auch zu Reaktionen geführt hat. Auf der Strecke zwischen Würzburg und Treuchtlingen wird laut Brückner der Lärmschutz geprüft – und teilweise die Realisierung auf den Weg gebracht.

Startschuss ist das Planfeststellungsverfahren, das die Regierung von Unterfranken für den Bereich zwischen Winterhausen und Obernbreit auf den Weg gebracht hat. Bauherr ist die Deutsche Bahn AG, deren Pläne allerdings – trotz des Lärmschutzes – nicht überall auf ungeteilten Beifall stoßen. In Ochsenfurt beispielsweise macht sich der Stadtrat angesichts großer Schutzwände Sorgen ums Bild der Altstadt.

Drei Meter hohe Wände auf rund 600 Metern – von der Fléac- bis zur Fleischmannstraße – werden in Marktbreit zwar begrüßt, aber vom Stadtrat für nicht ausreichend gehalten. Der Grund: Was sich an Bahn-Krach im Breitbachtal ausbreitet, wird vom Konzern ignoriert. Die Bahn geht von zu niedrigen Lärmwerten aus, die Stadt hat mit Messungen anderes ermittelt – vergeblich. Und um nicht völlig ohne Lärmschutz dazustehen, stimmte der Stadtrat vor kurzem den Plänen der DB Projektbau GmbH zu.

Kitzingen, wo das Nahverkehrsunternehmen laut Brückner 2007 Lärmschutz in der Stadt und in Sickershausen installierte, ist derzeit kein Thema bei der Bahn. Anders sehen das viele Bürger – vor allem am Eselsberg. Die Protestbriefe von dort landeten – im Jahr 2011 – zwar bei der Stadt, brachten aber außer einigen Ratsdebatten und Infoveranstaltungen wenig Greifbares. Daran änderte auch die Weigerung der Stadt nichts, den Lärmaktionsplan (Teil einer EU-Richtlinie) zu unterschreiben.

Keine Antwort

Ein Schuss in den Ofen sind wohl auch die Lärmmessungen, die die Verwaltung nach einem entsprechenden Stadtratsbeschluss an verschiedenen Stellen durchführen ließ. Das Ergebnis sei der Bahn „mit der Bitte um Stellungnahme“ zugegangen, erklärte Bauamtsleiter Oliver Graumann auf Nachfrage: „Eine Antwort steht noch aus.“ Über den Stand in der Bahnlärmsache werde die Verwaltung am 11. Dezember in der Stadtratssitzung informieren.

Dass das nervige Rattern von den Gleisen keine bloße Befindlichkeit sensibler Anwohner am Eselsberg ist, belegten Messungen im Zusammenhang mit den seit langem diskutierten Plänen für die Sport- und Mehrzweckhalle auf dem Deusterareal an der Nordtangente. Ein Lärmgutachten von 2013 notierte Lärmspitzen, die laut Stadt weit über den Grenzwerten liegen. Dies bedeutet für die immer noch geplante Halle, dass hier maximal zehn Abendveranstaltungen pro Jahr stattfinden dürfen. Konsequenz für die Bahn: Gibt's bisher nicht.