Lange hat das Geruchs- und Lärmgutachten auf sich warten lassen. Jetzt liegt es für das geplante kleine Baugebiet in Westheim vor. Für den Bürgermeister mit einem deprimierenden Ergebnis.

Für das kleine Baugebiet "Am Lindelbacher Tor", das eine freie Lücke am südlichen Ortstrand schließen soll, waren die Planungen schon angelaufen, die Fragen nach Zufahrten und Versorgungsleitungen geklärt. Nun liegen auch die beiden sehnlich erwarteten Gutachten der Firma Wölfel vor, die Mathias Barthel dem Ratsgremium am Dienstagabend vorstellte.

Tagsüber sei der Lärm nicht das Problem, 60 Dezibel seien möglich. Nachts hingegen würden im größten Teil des Gebiets 45 Dezibel überschritten. Hier müsse immer die ungünstigste Zeit zwischen 22 und 6 Uhr zu Grunde gelegt werden.

Wie der Gutachter zu diesen Werten gelangt sei, wollte Gemeinderätin Christine Wolf wissen. Barthel räumte ein, dass die Ergebnisse nicht aus tatsächlichen Messungen resultierten. Genormte Verfahren und statistische Zahlen bildeten die Grundlage. Bei Tierlauten gebe es zudem keine deutsche Studie, hier verwende man eine österreichische. Bei der Zahl der Tiere verlasse man sich auf die Angaben der Landwirte, wie viele Tiere maximal genehmigt sind.

Bullenmastbetrieb auf Platz Eins

Aber bei den Tieren spielen auch Gerüche eine Rolle. Ein Bullenmastbetrieb stehe dabei auf Platz Eins, die Biogasanlage auf Platz zwei, erläuterte Barthel. Sein Fazit: "Lärm macht Wohnen dort schwierig". Beim Geruch sehe es nicht gut für die Verwirklichung eines Wohngebietes aus. Tobias Schneider vom Ingenieurbüro Arz betonte, hier rasch das Gespräch mit dem Landratsamt zu suchen, um Lösungen zu finden. Das rät auch Gemeinderat Frank Hoh, der in solchen Gutachten ein Hemmnis für die ländliche Entwicklung sieht.

Gemeinderat Gunnar Krauß ist Westheimer. Die Berechnungen seien theoretischer Natur. "Das geht in Westheim völlig an der Realität vorbei", meinte er. Gerade was den Lärm betreffe. Laut Krauß sei die Viehhaltung im Ort rückläufig. Seines Wissens nach habe es bislang aber auch noch keine Beschwerden darüber gegeben.

Für Bürgermeister Roland Hoh bedeuten die Lärm- und Geruchsgrafiken, dass man eigentlich in Westheim auch keinen Scheunenausbau mehr genehmigen dürfte. "Für mich ist das deprimierend", bekannte Roland Hoh. Eigentlich müsste man in solchen Orten dann für Wohngebiete in die Prärie ziehen. Sobald ein Betrieb mit Tierhaltung im Ort sei, habe man nach den Vorschriften die "A-Karte" gezogen, bedauerte er.

Gewerbegebiet geplant

Ebenfalls in Westheim soll ein Gewerbegebiet ausgewiesen werden. Nachdem bereits über die Ansiedlung eines Fuhr- und Baggerunternehmens auf der Fläche "Am Fronweg" grundsätzlich positiv beschieden wurde, hatte nun ein Logistikunternehmen angefragt, ob es seinen Standort auch dorthin verlegen könne. Auch hier stellte der Gemeinderat das gemeindliche Einvernehmen in Aussicht. Jetzt soll ein Angebot zur Erstellung einer Bauleitplanung für dieses Gebiet eingeholt werden.

Unbegründet ist laut Bürgermeister Hoh die Mitteilung eines Bürgers, dass in der Kellerbergstraße in Biebelried die Hälfte der Fahrzeuge deutlich schneller als Tempo 30 fahren würden. Im Jahr 2020 wurden insgesamt 6815 Fahrzeuge während der Messungen erfasst. 679 davon hätten die zulässige Geschwindigkeit überschritten. Laut Hoh habe es lediglich fünf Fahrzeuge gegeben, die die Grenze von 50 Stundenkilometern übertroffen hätten. 2021 sei bei den Messungen bisher nur ein Fahrzeug mit 51 Stundenkilometern gemessen. Eine Erhöhung der Anzahl der Messstunden sei daher nicht erforderlich, erläutere Hoh.