Es ist nicht so, dass der Bauausschuss des Iphöfer Stadtrats in einer Sinnkrise stecken würde. Bisweilen aber fragt man sich in diesem Gremium schon: Wofür sind wir eigentlich da? Diese Momente häufen sich in jüngster Zeit. Erst neulich wurde dem Ausschuss der Fall einer Solaranlage im Baugebiet Hündlein bekannt, die ohne Genehmigung errichtet worden war. Der Volksmund spricht von „Schwarzbau“. Nun kam ein Fall aus Dornheim ans Licht und auf den Tisch des Ausschusses: Einbau zweier Dachliegefenster, von der Straße kaum zu sehen. Keine große Sache, aber: Sie waren nicht genehmigt. Was tun?

Manchen im Gremium geht es inzwischen gar nicht mehr darum, ob es sich bei den Verfehlungen um ein ganzes Haus handelt oder nur um die Farbe der Dachziegel. Es geht schlichtweg ums Prinzip: Wir genehmigen etwas, und der Bauherr tut etwas ganz anderes. Stadtrat Gerhard Heubach hat das so formuliert, und Kollegin Peggy Knauer merkte an: „Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Will heißen: Der Bauherr verwirklicht sich nach Kräften und versucht im Nachhinein, sein Fehlverhalten zu legitimieren, indem er einen Antrag nachreicht und darauf hofft, dass der Ausschuss schon zustimmen werde.

Der Bürgermeister warnt die Räte vor einem "Eigentor"

Was in der Vergangenheit immer wieder mal klappte, gelingt zuletzt immer seltener. Heubach verwies auf den Kern des Problems: Wenn man im Ausschuss hinterher sowieso alles genehmige, schere sich bald keiner mehr um die Vorschriften. Auch Bürgermeister Dieter Lenzer warnte die Kollegen vor zu viel Nachgiebigkeit: „Wir schießen uns ein Eigentor.“ Liberalere Stimmen wie die des Zweiten Bürgermeisters Hans Brummer oder des Dornheimer Stadtrats Harald Berninger hatten dafür plädiert, die Sache nicht zu hoch zu hängen und den Antrag durchzuwinken.

Es gebe „etliche Bezugsfälle“, sagte Brummer, der sich dem Vernehmen nach ein Bild im Innern des betreffenden Hauses gemacht hatte. „In begründeten Fällen haben wir Dachliegefenster schon zugelassen.“ Die Fenster seien von der Straße aus „kaum einsehbar, wenn man normal vorbeiläuft“. Berninger verwies darauf, dass mit dem Haus eine Baulücke im Ortskern geschlossen worden sei.

Im März hatte der Bauausschuss den Antrag abgelehnt

Für andere Räte waren diese Argumente allerdings kein Freibrief, den Verstoß gegen die städtische Gestaltungssatzung einfach hinzunehmen. „Es gab einen Bauantrag, der anders aussah als das, was gebaut wurde“, erklärte Bürgermeister Lenzer. Und Peggy Knauer erinnerte daran: „Wir hatten die Dachliegefenster eindeutig abgelehnt.“ Insofern sei das Ganze „nicht aus Unwissenheit passiert“. Tatsächlich hatte der Bauausschuss im März 2020 einen Bauantrag verworfen, in dem die beiden Dachliegefenster als Abweichung von der Satzung eingezeichnet waren. Dem Kitzinger Landratsamt ging im April ein nachgebesserter Antrag (ohne die Fenster) zu, der dort auch genehmigt wurde.

Aus den Einlassungen von Räten und Bauherren ging hervor, dass es wohl eine komplizierte Vorgeschichte zu dem Bauvorhaben gab. „Da ist viel schief gegangen“, sagte Vizebürgermeister Brummer. Das konnten Harald und Carmen Albert als Bauherren in der Sitzung am Montagabend nur bestätigen. Harald Albert erklärte, noch in der Nacht, bevor man den Vertrag mit der Baufirma unterschrieben habe, habe man über der Planung für das Bad gesessen. Die Baufirma – so steht es in einem Papier der Iphöfer Verwaltung an den Ausschuss – habe dann den nachgebesserten Antrag beim Landratsamt (ohne die Fenster) eingereicht, sich aber später auf die Unterschrift der Alberts unter die alte Werkplanung für das Badezimmer (mit den Fenstern) berufen. „Die Baufirma“, so Stadtrat Brummer, „sieht sich in dieser Sache nicht genötigt, auch nur einen Finger krumm zu machen.“

Bauherrin lädt Ausschuss in ihr Badezimmer ein 

Vergeblich warb Carmen Albert im Ausschuss um Verständnis für ihre Situation. Die beiden Dachfenster belichten zum einen Treppenhaus und Flur, zum anderen das Bad. „Es wäre die totale Lebensqualität, wenn wir im Bad oben die Belichtung hätten“, sagte sie. Gerne lade sie „jeden hier im Ausschuss“ ein, durch ihr Bad zu spazieren und sich von der Situation zu überzeugen. „Es gibt nur die Variante: so oder gar nicht.“ Stadtplaner Franz UIlrich widersprach noch während der Sitzung dieser Darstellung: „Dieses Badezimmer hat bereits eine Belichtung. Deshalb kann man damit keine Abweichung begründen.“ Auch mit dem Argument, dass „75 Prozent der Häuser im Ortskern Dachflächenfenster haben“, drang Carmen Albert nicht durch.

Die knappe Mehrheit des Ausschusses (6:5) bestand darauf, die Satzung zu vollziehen. Dies hat zur Folge, dass die Bauherren das Dachfenster im Bad entfernen müssen und das Fenster im Flur durch eine Gaube ersetzen können. Dachgauben nämlich sieht die städtische Satzung ausdrücklich vor.