Der Wein stand zwar im Mittelpunkt der Kulturzeichen 2016 in Iphofen, bei der Eröffnung in der Verkündhalle des Rathauses jedoch mussten die geladenen Gäste auf ihn verzichten. Zumindest in flüssiger Form. Denn in Worten und Gedanken gab's Wein in Hülle und Fülle – bis hin zum Rausch.

Aber keine Angst, denn keine Eröffnung von irgendwas im Landkreis geht ohne vergorenen Rebensaft: Nach einer Stunde des Wartens und Hörens wurde er doch noch kredenzt, artgerecht in hochstieligen Gläsern und gut gekühlt.

„Weinzeichen – Kunst, Tanz und Wort um den Wein“ – das ist das Motto der Kulturzeichen 2016 des Landkreises Kitzingen, deren erster Teil am Wochenende ablief. Kunst und Wort standen Samstag und Sonntag in Iphofen auf dem Programm – der Tanz folgt zwei Wochen später in Rödelsee.

Die Kunst, die bildende, die ist noch bis zum 31 Mai in der Galerie der Vinothek in Iphofen zu sehen. Zwölf Künstler aus der Region präsentieren Werke rund um den Wein. Sie wurden von einer Jury ausgewählt und zeigen die zeitgenössische Auseinandersetzung mit dem Thema Wein.

„Unser Lebensraum verdient es, dass wir ihn erfüllen.“
Josef Mend Bürgermeister von Iphofen

„Die Kunst ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens“, so zitierte Kunsthistorikerin Liane Thau Jean Paul. Passend zum Tage stellte sie fest, dass der Wein nicht nur in Trinkliedern in Märchen und Sagen, in religiösen Riten oder auch Homers Odyssee eine große Rolle spielte, natürlich war und ist er auch in der Malerei ein zentrales Thema.

„Beides, Kunst und Wein, sind ein sinnlicher Genuss, der ab und an zu Kopfe steigt“, sagte die Kunsthistorikerin. Und bis heute begeistert das Thema die Künstler. Tanz, Drogen und Wein dienen immer noch dazu, den Rausch der Ekstase zu erreichen.

Ob's die Künstler der Ausstellung in der Vinothek genutzt haben? Wie immer bei Kunst, bleibt der Vorhang bei einigen Fragen geschlossen. Zumindest hat das Thema „Kunstrausch“ dazu inspiriert, sehr unterschiedliche Werke zu schaffen. Für Thau eine „faszinierende Ausstellung mit unglaublich vielfältigen Motiven, Stilen und Materialien.“

Einen Vorgeschmack auf den „Wortrausch“ der sich am Sonntag mit ebenfalls sehr unterschiedlichen Formen moderner Lyrik auseinander setzte (Bericht folgt am Dienstag), bot Manfred Manger. Zusammen mit dem Saxophonisten Vladi Strecker bot er zum Thema Wein einen sehr unterhaltsamen Ritt durch sehr unterschiedliche Gedichte – heute sollte man wohl eher Poetry sagen. Von Thomas Mann bis in die jüngste Moderne, vom berauscht sein bis hin zum Rausch beim Kochen mit Wein: „Ein Dichten ist auch das Weingenießen, nur dass die Verse nach innen fließen“, so das Zitat aus dem Bremer Ratskeller.

Auch ohne den Wein im Glas vor sich zu haben, die Stunde in der Verkündhalle machte Lust auf mehr an Dichtung und bildender Kunst, die den Sonntag in Iphofen prägen sollten. Und damit dann auch den Anspruch der Kunstreihe Kulturzeichen im Landkreis Kitzingen erfüllen könnten: Neue Formen der Präsentation einer Region zu testen, die sich auch an die Bewohner richtet. „Unser Lebensraum verdient es, dass wir ihn erfüllen“, sagte Bürgermeister Josef Mend.

Was vielleicht ein wenig fehlte, bei der Eröffnung der Kulturzeichen? Die Jugend. Menschen zwischen 20 und 40 musste man mit der Lupe suchen. Ein wenig frischer Wind würde hier sicher nicht schaden.

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