Die Stadt Kitzingen verleiht den Kulturförderpreis 2020 am Stadtbalkon an die Roxy Kitzingen e. G. Oberbürgermeister Stefan Güntner unterstrich in seiner Begrüßung, dass der mit 1000 Euro dotierte Preis für Wirken mit herausragenden künstlerischen Leistungen geschaffen wurde. Eine Kultureinrichtung wie ein Kino sei ein wichtiger Baustein für die Innenattraktivität der Stadt. Güntner zeigte sich überzeugt, dass der Kulturbereich mit am schlechtesten durch die Pandemie gekommen sei.

Nach zwei Verschiebungen sei nun endlich Gelegenheit, das Team Roxy zu würdigen, sagte Stadt- und Kreisrätin Gisela Kramer-Grünwald, die die Laudatio hielt. Christine Jenike, Michael Schmitt und ihr Team hätten es mit Geduld geschafft, das Roxy-Kino aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Nun könnten die Besucher wieder in den weichen Plüschsesseln versinken und Kino erleben. Kitzingen habe bei 18 000 Einwohnern einmal sechs Kinos gehabt, von denen nur das Roxy überlebte.

2016 vier erste, erfolgreiche Aufführungen

Das Kino war einst aus dem Tanzsaal des Fränkischen Hofes entstanden und erhielt 1973 zusätzlich einen zweiten und dritten Saal. Doch durch den Einzug des Heimkinos und den Wegzug der Amerikaner wurde es erstmal still ums Roxy – bis 2013 aus dem Kulturkreis erste Gedanken für eine Wiederbelebung auftauchten und 2016 vier erste, erfolgreiche Aufführungen stattfanden.

Diesem Erfolg schloss sich eine dreijährige Planungsphase an und das Organisationsteam gründete einen Verein und eine Genossenschaft. Dazu galt es zahllose Gespräche wegen der heutigen Anforderungen und der Eröffnung zu führen. Nach vielen ehrenamtlichen Einsatzstunden wurde dann 2019 wiedereröffnet – nur um nach rund einem Jahr pandemiebedingt erneut zu schließen.

Nun lasse sich aber wieder nostalgische Atmosphäre genießen, betonte Kramer-Grünwald. Auch Jubiläen und Feste können im Saal gefeiert werden. Das Roxy sei immer eine Institution in Kitzingen gewesen und heute zu einer Begegnungsstätte geworden, hinter der viele Akteure stünden. Das Team bringe Zeit und Fachwissen ein, es gebe ein Unterstützerteam, das die Kasse besetzt, verkauft und, unterstützt von Peter Hagen als ehemaligem Filmtechniker, Filme vorführt.

Im September soll auch die Empore wieder öffnen

Der Zuspruch zeige, wie nötig die Wiedereröffnung war, sagte Michael Schmitt, als Oberbürgermeister Güntner die Urkunde überreichte. Im September solle auch die Empore wieder eröffnet werden. Christine Jenike betonte, das Roxy-Team sei zwar keine Künstlergruppe im Sinne des Kulturförderpreises, dennoch sei der Preis für einen Kinobetreiber mit seinen Film- und Kulturbeiträgen gerechtfertigt, auch im Vergleich mit früheren Preisträgern.

Da Literatur zum Kulturgut zählt, gehört für Jenike auch ein Literaturkino mit Literaturbesprechung und anschließender filmischer Umsetzung bei einem modernen Kino dazu. Drei Viertel aller Filme orientierten sich an literarischen Vorlagen – wozu eigentlich auch Drehbücher zählten.

Das Roxy-Kino bezeichneten die beiden Preisträger als "praktizierte Soziokultur mit interkultureller Kommunikation", daher könnten die Räume auch für Jubiläen, Geburtstage und Vorträge gemietet werden. Jeden zweiten Monat wird außerdem ein Genusskino mit Essen und Trinken veranstaltet. Es gibt bereits ein Bierkino, ein Open-Air-Kino und ein Kaffee-Kuchen-Kino sind geplant. "Wer nicht kommt, der versäumt etwas", erklärte Schmitt abschließend.

Die Feierstunde zur 32. Verleihung des 1977 geschaffenen Kulturförderpreises wurde vom Saxophonquartett der Städtischen Musikschule umrahmt.