Erst wenn es weg ist, wird einem die Bedeutung bewusst: Das Kulturprogramm der Stadt Kitzingen in der Alten Synagoge ist vielfältig und anspruchsvoll. Und wegen der Pandemie findet es zurzeit nicht statt. Was normalerweise dort alles passiert, erklärte Programm-Chef Richard Arndt-Landbeck, der seit elf Jahren allein die Verantwortung dafür trägt, dem Stadtrat in der vergangenen Sitzung.

Sein Anliegen: Er selbst ist auch bald weg - Ende 2021 geht er in Rente. Deshalb möchte er vom Stadtrat die Weichen neu stellen lassen: Welches Kulturprogramm wünscht man sich künftig in der Stadt? Wer soll es veranstalten? Und soll es bei der heutigen Organisation bleiben, oder könnte auch eine separate Event GmbH dafür infrage kommen?

Ziel seines Hauses sei bisher ein breites Angebot, das aber nicht mit dem freien Markt konkurrieren soll. Von der Stadt mitfinanziert, kann sich das Kulturzentrum auch Nischen erlauben, die auf kommerziellen Bühnen keine Chance hätten: Sparten wie Jazz und Weltmusik oder Auftritte von Schulen und Vereinen oder Vorträge und Podiumsdiskussionen. All diesen Service bietet die ehemalige Synagoge, die 1993 als Kulturzentrum wieder eröffnet wurde. 

Etwa 150 Veranstaltungen im Jahr

Den größten Teil der jährlich 140 bis 150 Veranstaltungen bestreitet die Volkshochschule zu 35 Prozent. Das von Arndt-Landbeck gestaltete Programm macht 25 Prozent aus, ebenso die Vermietung an Externe. Der Förderverein der Synagoge trägt weitere 15 Prozent bei. Die Zahl der Veranstaltungen pro Jahr ließe sich noch auf 200 steigern, sagte der Leiter.

Arndt-Landbeck zufolge gehören zum Programm Konzerte, Schultheateraufführungen, Autorenlesungen, Wahl-Podien, Vorträge, Jubiläums- und Kabarettveranstaltungen. Maximal 300 Besucher passen in den Saal und auf die Empore.

Der Personalaufwand: Der Leiter selbst ist mit einer halben Stelle vertreten. Dazu kommen eine Verwaltungskraft mit 40 Prozent Teilzeit und Bühnentechniker mit 70 Prozent.

Städtisches Budget und weitere Einnahmen

Das Gesamtbudget für die Alte Synagoge liebt bei 208 000 Euro. Abzüglich der Fixkosten kann Arndt-Landbeck 77 500 Euro für Veranstaltungen verplanen. Davon werden etwa 68 000 Euro durch die Einnahmen aus Kartenverkauf und Vermietung gedeckt.

Arndt-Landbeck betonte, dass die Alte Synagoge nicht der einzige Kulturanbieter in der Stadt sei. Allein in Kitzingen gibt es neun Kulturstätten, die Kirchen eingerechnet, die 120 bis 350 Besuchern Platz bieten. Dazu kommen weitere Veranstalter im Landkreis. Deshalb sei eine Abstimmung mit den anderen Anbietern und eine Zusammenarbeit wünschenswert, was auch Änderungen am Programm zur Folge haben könnte. Zum Beispiel müsste die Alte Synagoge nicht dauerhaft Kabarett oder Theater aufführen, weil es dafür Möglichkeiten in anderen Häusern gebe.