Die Entscheidung ist unumstößlich und traurig für viele treue Gäste. Das Main-Street-Cafe in Dettelbach schließt am 31. Dezember für immer seine Türen. Diese Nachricht kommt für viele überraschend, ist aber aus mehreren Gründen für Familie Marek, die das Café betreibt, unausweichlich. Mehrere Faktoren spielen ihr zufolge dabei eine Rolle: die eigene Gesundheit, Arbeitsüberlastung in Folge von Personalmangel und die Belastung der Familie. In der Summe sehen die Mareks keine Alternative zur Schließung, wenn auch schweren Herzens. Ein neuer Mieter wird das bisherige Main-Street-Cafe einer anderen gewerblichen Nutzung zuführen, heißt es.

Einst hatte Geschäftsführer Rainer Marek als Zweiradmechaniker-Meister in der Harley-Davidson-Werkstatt des Schauspielers Wolfgang Fierek in München gearbeitet und wagte im Jahr 2004 mit seinem Meisterkollegen Frank Gwosdz den Sprung in die Selbstständigkeit. Anfangs werkelten sie in einer Garage, ehe sie es wagten, im Gewerbegebiet Dettelbach Ost, in exponierter Lage direkt an der früheren B 22 zu bauen.

Zweiradmechaniker wagt Neustart als Gastronom

Die Werkstatt lief gut, bis die Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 den Kundenstrom kappte und die Partner ihre Firma schlossen. Danach sattelte Rainer Marek mit dem Main-Street-Cafe auf Gastronomie um. In den ersten Jahren zögerten die Dettelbacher noch mit Besuchen und die Gäste kamen eher aus dem Umkreis und aus der fränkischen Region. "Wir hatten viele Biker als Stammgäste, die aus einem Umkreis von 150 Kilometern kamen", schildert Marek die Konstellation.

Ob Radler auf einen Kaffee, Biker bei Ausfahrten oder einfach Gäste, die nach Feierabend entspannen wollten – die Fangemeinde des Main-Street-Cafes weitete sich aus. Vor allem für Musikfreaks avancierte das längst Kult gewordene Café zur angesagten Livemusik-Location. Viele regionale Bands gaben sich hier die Klinke in die Hand. Sogar der ehemalige Voice-of-Germany-Sieger Andreas Kümmert hatte hier seinen ersten Auftritt überhaupt. Bis zu 200 musikbegeisterte Gäste  feierten wöchentlich eine Party. Noch heute schwärmen Rainer Marek (51), seine Mutter Ulrike Marek (71) und Vater Rudolf Marek (75) vom Open-Air-Konzert "Little Woodstock" im Jahr 2017 mit 650 Gästen.

Familienfeiern und Konzerte gehen oft bis in die Puppen

"Das waren Veranstaltungen, für die man gearbeitet und gelebt hat", meint Rainer Marek heute. Doch mit der Zeit musste seine Familie erkennen, dass die Arbeitsbelastung überhand nahm. Auf der Terrasse galt immer das Motto "Open End" und bei Familienfeiern oder Konzerten war oft erst um 4 oder 5 Uhr Feierabend. "Es war nahezu unmöglich, einen Koch zu bekommen", konstatiert der Gastronom, dem seiner Mutter zur Seite sprang.

Ulrike Marek führte seit Jahrzehnten eine Finanzberatung-Agentur in Dettelbach, und nach dem Tagesgeschäft stand sie in den vergangenen zwölf Jahren noch in der Küche, während ihr Mann als Hausmeister wirkte. Doch die Doppelbelastung forderte ihren Tribut. In den vergangenen zwei Jahren stellten sich bei Rainer und seiner Mutter gesundheitliche Probleme ein. Zusätzlich hat Rainer inzwischen zwei Kinder mit seine Frau Pamela und die Kinder fragten immer häufiger: "Wann kommt denn der Papa nach Hause?"

Da sich eine personelle Entlastung als schier unmöglich darstellte, erkannten die Mareks: "Wir schaffen es nicht mehr." "Wir sind genauso traurig darüber, wie es auch alle unsere Gäste sein werden", meint die Besitzerin der Immobilie, Ulrike Marek. "Das Café war uns eine Herzensangelegenheit." Der ganzen Familie falle der Abschied ebenso schwer.

Ein gewerbliche Nachmieter ist bereits gefunden

Das Main-Street-Cafe hatte sich längst etabliert, weshalb es aus wirtschaftlicher Sicht nie einen Grund für eine Schließung gab. Vielleicht auch deshalb hat Ulrike Marek Verkaufsgedanken bald wieder aufgegeben, zumal sie auch an ihre Enkelkinder gedacht hat. So bleibt der Auspuff-Hersteller Dr. Jekill & Mr. Hyde im benachbarten Gebäudeteil weiter Mieter. Und im Main-Street-Cafe wird ein weiterer gewerblicher Nutzer einziehen.

Wegen der Zwangsschließung im ersten Corona-Lockdown erlebte Rainer Marek erstmals seit 15 Jahren ein Osterfest mit der Familie, was ihm zu denken gab. Die angeschlagene Gesundheit ließ ihm keine Wahl mehr, als einen Schlussstrich zu ziehen. Es soll eine Art Flohmarkt geben, um die gesamte Einrichtung zu verkaufen.

Gerne hätte Rainer Marek für die treuen Stammgäste noch eine standesgemäße Abschiedsparty mit Livemusik organisiert, was aber wegen der Pandemie unmöglich ist. Der Wirt musste am Ende auch noch einige Feiern absagen, die lange im Voraus gebucht waren – diese unliebsame Aufgabe blieb ihm ebenfalls nicht erspart.