Das vergangene Jahr war für viele Unternehmen schwierig, für manche gar katastrophal. Für Kräuter Mix in Abtswind dagegen steht Ende 2020 ein Umsatzrekord in den Geschäftsbüchern: 132 Millionen Euro setzte der Mittelständler mit dem Handel von Kräutern und Gewürzen um. Im Jahr davor waren es 117 Millionen Euro. Und auch die Zahl der Mitarbeiter wuchs in dem Jahr, das als Corona-Jahr in die Geschichtsbücher eingehen dürfte, von 450 auf 475.

Dennoch möchte Bernhard Mix, der als geschäftsführender Gesellschafter zusammen mit seinem Vater Christoph Mix und Geschäftsfühererin Silke Wurlitzer die Spitze des 1919 gegründeten Familienunternehmens bildet, das Wort "Krisengewinnler" nicht gelten lassen. Zwar sei der Sprung nach oben in der Bilanz auch nach zehn Jahren des Umsatzwachstums in Folge "außergewöhnlich", gibt er zu. Doch dahinter stecke viel Arbeit, macht er im Gespräch mit dieser Redaktion deutlich. Zudem gehöre Kräuter Mix einer Branche an, die sich in Corona-Zeiten als systemrelevant erwiesen habe.

Hamsterkäufe spülten zusätzliches Geld in die Kasse

Signifikant in diesem Zusammenhang: Gerade der März 2020, als Deutschland wegen der Corona-Pandemie Wirtschaft und öffentliches Leben herunterfährt, ist für Kräuter Mix mit 13,8 Millionen Euro der umsatzstärkste Monat in der 102-jährigen Firmengeschichte. Bernhard Mix erklärt dies unter anderem damit, dass sich Kunden etwa aus dem Lebens- und Arzneimittelbereich vor dem ersten Teil-Lockdown bei Kräuter Mix nochmals mit Zutaten eindeckten. Langfristige Kontrakte wurden teils schneller abgerufen als geplant. Sein Unternehmen hat also auch von Hamsterkäufen profitiert. Ihr Vorteil waren die gut gefüllten Lager, aus denen heraus sie Kunden trotz manch unsicherer Lieferkette beliefern konnten.

Doch führt dieses Verhalten nicht zwangsläufig dazu, dass vorgezogene Bestellungen in der Folge ausbleiben, die Geschäfte vielleicht dieses Jahr spärlicher ausfallen? Das glaubt der geschäftsführende Gesellschafter nicht. "Kleine Rücksetzer im Geschäft sind möglich", sagt er, "doch wir haben vergangenes Jahr unsere Produktionskapazitäten ausgebaut und neue Kunden hinzugewonnen." Er erwartet sich dadurch mehr Verkäufe.

Damit verbunden könnte die Mitarbeiterzahl im neuen Jahr nochmals wachsen, auf über 500, schätzt Bernhard Mix. Im Produktionsbereich habe das Unternehmen eigentlich "immer Bedarf" an Mitarbeitern – und das, obwohl die Fluktuation unter den Mitarbeitern gering sei. Vor allem in der Produktion sei eine hohe Spezialisierung und Qualifikation gefragt. Deshalb bildet Kräuter Mix gerne selbst aus, beispielsweise Fachkräfte für Lebensmitteltechnik. 20 Azubis zählt das Unternehmen aktuell.

Über 300 Mitarbeiter wurden auf Corona getestet

Nichtsdestotrotz setzt es auf Automatisierung wo immer dies möglich ist. Im Logistikzentrum in Wiesentheid beispielsweise sind verstärkt fahrerlose Stapler im Einsatz, weil dies sicherer sei, als wenn dort Menschen unterwegs sind, berichtet Bernhard Mix.

Apropos Sicherheit. Hier hat Corona das Unternehmen gelehrt, dass es diese trotz hoher Standards und aller Vorsicht nie 100-prozentig sein kann. Im Herbst waren bekanntlich rund 20 Mitarbeiter mit Covid-19 infiziert , wohl vornehmlich im privaten Umfeld. Kräuter Mix hat damals schnell reagiert. Kollegen der Infizierten wurden in Quarantäne geschickt. Da die Betroffenen alle in einem Verwaltungstrakt arbeiteten, ließ sich die Zahl der Gefährdeten gut eingrenzen. Dennoch gab es Reihentestungen für über 300 Mitarbeiter, die negativ ausfielen.

Chef hofft auf mehr menschlichen Kontakt in diesem Jahr

"Wir haben damals vieles richtig gemacht und schnell reagiert, auch wenn manche vielleicht sagten, wir hätten es übertrieben", stellt Bernhard Mix fest. Als Vorteil hat sich erwiesen, dass die Hygienestandards im Unternehmen unabhängig von der Pandemie schon immer hoch waren. Darauf ließ sich gut aufbauen. Der Aufwand war dennoch groß, beschreibt der geschäftsführende Gesellschafter, der sich für das laufende Jahr trotz aller angebrachten Vorsicht eine Normalisierung der Abläufe und vor allem wieder mehr menschlichen Kontakt erhofft. Dies gilt für Kunden als auch für die Mitarbeiter untereinander; viele Angestellte der Verwaltung arbeiten seit Corona von zuhause aus, in der Produktion ist dies nicht möglich.

Der Aufwand des Unternehmens war vergangenes Jahr also durchaus groß, bilanziert Bernhard Mix. Für dieses Jahr wünscht er sich, dass sein Unternehmen auf keinen Fall aus hygienetechnischen Gründen dicht machen muss. Denn eines habe 2020 gezeigt: Letztlich gehört trotz allen Geschicks und aller Sorgsamkeit auch etwas Glück dazu, Corona gut zu überstehen.

Zum Unternehmen

Geschäftsfeld: Der Mittelständler vertreibt rund 650 Kräuter, Gewürze und Tees – von Anis über Koriander bis Zwiebel. Er kauft Rohstoffe ein, verarbeitet diese und verkauft die Produkte in 75 Länder. Der Exportanteil lag im Jahr 2020 bei 47 Prozent. Käufer stammen aus den Bereichen Lebensmittel, Pharmazie und Tiernahrung.
Zahlen: Die Lagergrundfläche beträgt 64 000 Quadratmeter, was etwa zehn Fußballfeldern entspricht. Das Lagervolumen umfasst 415 000 Kubikmeter. 23 000 Tonnen an Waren hat das Unternehmen im Lager. Dies entspricht fast dem Umfang der produzierten Jahresmenge, die bei 25 000 Tonnen liegt.
Quelle: Kräuter Mix