Der Sulzfelder Gemeinderat steht mit dem Weinbergbewässerungskonzept vor einer Herkulesaufgabe, die ohne externe Hilfe nicht umsetzbar sein wird; darüber herrschte am Ratstisch Konsens. Denn egal, welche von sieben möglichen Varianten realisiert werden sollte: Unter geschätzten 23 Millionen Euro netto, was Bruttogesamtkosten von rund 29 Millionen bedeuten würde, ist die Umsetzung laut einer Expertise des Haßfurter Fachbüros Baur Consult nicht machbar. "Wir haben finanziell einen jährlichen Spielraum von 200 000 Euro; damit können wir auch über Jahre verteilt ein solches Projekt nicht stemmen", erklärte Bürgermeister Matthias Dusel.

"Das kostenträchtigste Element wird der Speichersee sein, auch weil an dem Standort viel felsiger Untergrund zu erwarten ist", informierte Hannes Karl auf die Nachfrage von Fritz Staib. Das Ratsmitglied hielt eine Umsetzung des Konzeptes für Sulzfeld aus finanzieller Sicht ebenfalls für illusorisch. Ex-Bürgermeister Gerhard Schenkel führte aus, dass Sulzfeld in seiner Gemarkung Wasser in rauen Mengen habe, das durch die Brunnen der Fernwasserversorgung für die Region genutzt wird. Deshalb sollte die Gesellschaft Sulzfeld helfen um das Projekt zu verwirklichen.

Sulzfeld hofft auf die Mithilfe anderer 

In die gleiche Kerbe schlug auch Joachim Gattenlöhner, da Sulzfeld weite Teile der Region mit Trinkwasser versorge. Fritz Staib bereitete seine Kolleginnen und Kollegen am Ratstisch darauf vor, viel Überzeugungsarbeit bei Ministerien, Ämtern und auf der politischen Ebene leisten zu müssen, um jemals das Vorhaben realisieren zu können. Er plädierte zuvorderst dafür, die Schiene der Interkommunalen Allianz Südliches Maindreieck zu fahren, um für Unterstützung zu werben.

Hannes Karl und Julia Schrade von Baur Consult präsentierten das mit Wolfgang Patzwahl erarbeitete Konzept. Diese Fachleute beleuchteten den Wasserbedarf und die Alternativen, um 160 Hektar Weinberge zu bewässern. Die Reben benötigten einen Jahresniederschlag von 400 Litern pro Quadratmeter, die in den vergangenen Jahren nicht mehr erreicht wurden. Die Experten sprachen von 130 000 Kubikmeter im Jahr, die bevorzugt von Mai bis September gebraucht werden.

Nach der Prüfung ergab sich eine Nutzung von Oberflächenwasserabflüssen im Maustal, die 30 000 Kubikmeter bringt. Die direkte Mainwasserentnahme ist die favorisierte Lösung, nur darf sie in Zeiten von Niedrigwasser nicht erfolgen. Daher wird eine Zwischenspeicherung nötig mit einem 156 000 Kubikmeter fassenden Speicherbecken. Die Untersuchung von möglichen Brauchwasserbrunnen in Richtung Kitzingen sei negativ ausgefallen, da das Areal nicht genügend Grundwasser biete. Eine Ergänzung zur Nutzung von Oberflächenwasser wäre die Nutzung von Wasser aus Regenrückhaltebecken am Sonnenberg und Cyriakusberg.

Ohne Mainwasser geht nichts

"Ohne Mainwasser wäre das Konzept überhaupt nicht machbar", betonte Hannes Kahl bei der Betrachtung aller Alternativen. Er sah einen Standort nördlich des Baggersees als am besten geeignet für das Bauwerk zur Mainwasserentnahme. "Bitte erschrecken Sie nicht bei den Kosten", sagte Hannes Karl und nannte zwischen 23 und 32 Millionen Euro netto, plus späterer Betriebskosten.

In einer speziellen Matrix mit mehreren Parametern filterten die Experten viele Vorteile für Winzerinnen und Winzer sowie Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde heraus. Sie kamen zum Ergebnis, dass zwei Alternativen sich fachlich als die Besten herausgestellt hätten. Die erste ist die Mainwasserentnahme mit der Nutzung des Bodenspeicherbeckens, die andere Variante wäre wiederum die Mainwasserentnahme mit Speicherbecken und zusätzlicher Nutzung bestehender Niederschlagwasser aus den bestehenden Regenrückhaltebecken im Uptal und Renntal, die über eine Aufbereitungsanlage dem zentralen Speichersee zugeführt würden. "Die erste, zu empfehlende Variante zeichnet sich als wirtschaftlichste aus, die zweite sticht durch die Nachhaltigkeit heraus", erklärte Karl.

Sybille Schmidt interessierte sich für die mögliche Förderung und erfuhr, dass es derzeit eine Förderung von 50 Prozent gebe, gedeckelt auf zehn Millionen Euro. "Wir wissen jetzt, wo wir stehen und was finanziell auf uns zukommt, und jetzt müssen die Grundstückseigentümer sich überlegen, ob sie sich das leisten können oder wollen", sagte zusammenfassend der Vorsitzende des Weinbauvereins, Martin Wittel.