Es ist schon arg in die Jahre gekommen: das Bürogebäude des Architekturbüros Bochholz & Platzöder an der Bahnhofstraße in Prichsenstadt. Kein Wunder, zählt das ehemalige Wohnhaus der Schwestern des verstorbenen Apothekers Carl Ebenauer doch zu den älteren Gebäuden. Zum Jahresende hatten die Architekten den Mietvertrag (Monatsmiete: 766 Euro) gekündigt. Und bevor die Stadt als Eigentümerin das Gebäude (kein Denkmalschutz) verkaufen oder neu vermieten kann, müsste es grundlegend saniert werden. Was in der Stadtratsitzung am Donnerstagabend den Räten Kopfzerbrechen bereitet hatte.

Mängel sind schon lange groß

Das Gebäude, dessen 890 Quadratmeter großes Grundstück zur Hälfte für den Friedhof genutzt wird, war noch in der Zeit des ehemaligen Bürgermeisters Adolf Falkenstein Thema eins Ortstermins des Bauausschusses. Schon da waren die Mängel groß: etwa das marode Dach, die Fenster (Einfachverglasung), die Leitungen über den Treppen oder die energetisch bedenkliche Situation.

Trotzdem hatte sich bei Bürgermeister René Schlehr schon ein Kaufinteressent gemeldet. Vor einem Verkauf aber stünde eine Sanierung an, die er mit „ganz grob geschätzten, mindestens 200 000 Euro“ bezifferte. Und die sind nicht in den Haushalt eingestellt.

Nutzung als Wohnhaus nicht möglich

Für eine andere Nutzung warf Schlehr als Ideen „Obdachlosen-Unterkunft“ und „möglicher Jugendraum“ in die Runde. Als Wohnhaus lasse es sich wegen eines fehlenden Badezimmers nicht vermieten. Zudem habe es, wie für die damalige Zeit üblich, hohe Räume und viele kleine Zimmer. Ob die genannten 200 000 Euro für eine Sanierung reichen würden, bezweifelte nicht nur Ratsmitglied Wolfgang Brosche. Und mal eben so aus dem Stand dieses Geld zu investieren – ohne sich vorher Gedanken über die Nutzung gemacht zu haben – darüber waren neben Harald Rückert auch weitere Ratsmitglieder nicht erfreut. Zwei Umstände, deren sich der Bürgermeister sehr wohl bewusst war. „Ich muss aber dem Kaufinteressenten eine schnelle Antwort liefern“, sagte er.

Verkaufsvorschlag wurde abgelehnt

Aus Mitteln des Ebenauer-Fonds, die für „Bauwerke der historischen Altstadt“ vorgesehen sind, kann der Stadtrat kein Geld nehmen, weil das Haus außerhalb der Altstadt steht. Auch deshalb schreckte der Stadtrat davor zurück, den „erheblichen Investitionsstau“ aufzuarbeiten. „Wenn wir aber die Hände in den Schoß legen, verfällt das Gebäude“, so Helmut Happel. „Da muss ein gescheites Konzept her.“

Auch wenn es nicht explizit beschlossen wurde, so waren sich die Räte dennoch darüber einig, dass ein Nutzungskonzept erstellt werden müsse. Deshalb lehnten sie den Beschlussvorschlag der Verwaltung, das Anwesen zum Verkauf auszuschreiben, mit 2:12 Stimmen ab.