Halt – Polizei! Eine Gruppe von vier schweren Motorrädern ist am Sonntag offensichtlich total überrascht, mitten auf der Ortsdurchfahrt in der kleinen Ortschaft Düllstadt einem Polizisten gegenüber zu stehen, der sie mit seiner Polizei-Kelle auffordert, in eine Bus-Haltebucht zu rollen. Dort wartet bereits eine größere Anzahl Polizisten. "Verkehrskontrolle", sprechen sie die Motorradfahrer an. "Bitte stellen Sie den Motor ab und steigen Sie vom Motorrad."

Wer jetzt vielleicht meint, dass eine aggressive Stimmung eintritt, da die Fahrer in deren schwarzen Lederklamotten doch eher unkooperativ aussehen, täuscht sich. Die Situation bleibt entspannt. Erst am Samstag hatten in Schweinfurt rund 5000 Motorradfahrer gegen ein mögliches Sonntagsfahrverbot für Motorräder demonstriert.

"Haben wir was angestellt?", lautet in Düllstadt die erste Frage eines der vier Biker, als die Polizei diese gestoppt hat. Polizeihauptmeister Florian Mader, Leiter der Kontrollstelle und im privaten Bereich selbst engagierter Fahrer eines Sport-Motorrads, erklärt der Gruppe nett, dass die Beamten nun des technischen Zustand der Motorräder überprüfen werden.

Polizisten schauen auch ins Auspuffrohr

Die Jungs wissen Bescheid, was jetzt kommt. Während sie in ihren Taschen nach den Papieren kramen, machen die Kontrollbeamten einen ersten Check rund um die Motorräder: Reifen, Licht, TÜV und so weiter. Dann kommt der Schwerpunkt dieser Kontrollaktion an der B 22: Die Fahrer werden aufgefordert, ihren Motor zu starten und im Leerlauf etwas Gas zu geben. Gleichzeitig schauen Polizisten genau in das Auspuffrohr, um die Klappenstellung und Schalldämpfer zu beobachten.

"Eigentlich gilt  im Standbetrieb eine Maximalgrenze von 77 Dezibel. Im Fahrbetrieb ist es höher. Durch elektronische Manipulationen können aber zum Beispiel die Klappen permanent geöffnet bleiben, was einen Höllenlärm verursacht", erklärt Thomas Kordmann, Motorrad-Polizist bei der Verkehrspolizei. Durch seine langjährige Dienstzeit gilt er als Spezialist bei technischen Fragen. "Die elektronischen Finessen ändern sich fast täglich, so dass wir uns schon sehr schwer tun, alles zu erkennen."

"Was wir hier machen, dient in erster Linie der Verkehrssicherheit der Motorräder."
Markus Hack, Chef der Kitzinger Polizei

Mit einem digitalen Messgerät prüft ein weiterer Beamter die Lautstärke. Hierbei schiebt er einen Messstab in das Auspuffrohr. "Gibt es irgendwelche Unstimmigkeiten, müssen wir eben ein technisches Gutachten einholen", sagt Florian Mader. "Dann ist aber alles bewiesen."

Polizisten nehmen die Verfolgung auf

Plötzlich kommt Unruhe in das Team. Ein Beamter beobachtet einen Motorradfahrer, der etwa 200 Meter vor der Kontrollstelle anhält, dreht und in entgegengesetzter Richtung davon fährt. Blitzschnell steigt Kordmann auf seine Dienstmaschine. Gleichzeitig springt ein Beamter in ein bereitstehendes Polizeifahrzeug.

"Die kriegen den", ist sich Polizeidirektor Markus Hack, Chef der Kitzinger Polizei, sicher. Er hat die Situation auch beobachtet und bleibt gelassen. "Was wir hier machen, dient in erster Linie der Verkehrssicherheit der Motorräder." Die Polizei möchte den Fahrern Hack zufolge noch folgende Botschaft mitgeben: "Im Jahr 2019 hatten wir in Unterfranken elf getötete Motorradfahrer. Oft hat es geheißen: 'Der Motorradfahrer wurde übersehen', aber man muss leider konstatieren, dass in vielen dieser Fällen der Motorradfahrer selbst der Verursacher war."

"Ich kann es verstehen, wenn sich Anwohner wegen des oft unerträglichen Lärms beschweren."
Marcus Geißinger, kontrollierter Motorradfahrer

Walter Günther, der als Vertreter der Motorradstreife des Bayerischen Roten Kreuzes ebenfalls an der Kontrollstelle ist und selbst schon bei vielen schweren Motorradunfällen dabei war, ergänzt: "Auch wenn ein Fahrer einen schweren Unfall überlebt, ist es manchmal nicht weniger tragisch: Viele bleiben für den Rest ihres oft noch jungen Lebens behindert, sitzen dann im Rollstuhl oder leben im tiefen Koma noch Jahre in einer Pflegeeinrichtung." Der Polizeichef ergänzt: "Das muss man in die Köpfe der Motorradfahrer reinbringen: Ihr seid die beste Lebensversicherung für euch selbst!"

Polizist bringt flüchtenden Motorradfahrer zurück

Zwischenzeitlich kommt das Polizeimotorrad zurück. Dahinter das Motorrad, das kurz vorher abgedreht hat. Die Maschine und der Biker werden jetzt natürlich besonders intensiv kontrolliert. Doch soweit scheint alles in Ordnung. Der Fahrer war nur beim Erkennen der Kontrollstelle etwas in Panik geraten. Meinte, dass er wohl vorher irgendwo zu schnell war und suchte deshalb das Weite. Doch für ihn ist alles nochmal gut gegangen. Fast freundschaftlich verabschiedet er sich von den Polizisten.

Marcus Geißinger, der ebenfalls in die Kontrollstelle gewunken worden ist, findet die Polizeikontrolle völlig in Ordnung. "Ich kann es verstehen, wenn sich Anwohner wegen des oft unerträglichen Lärms beschweren. Auch mir sind manche 'Brülltüten' zu laut." Für ihn sind die Hersteller gefragt. "Die müssen an den Lautstärkenemissionen arbeiten. Die gehören in die Pflicht genommen!" Ein Appell, den umstehende Biker-Kollegen kopfnickend bestätigen.

Das Fazit am Ende der Kontrolle am Sonntag: Bei 110 kontrollierten Motorrädern zwischen 12.30 und 18 Uhr gab es fünf Anzeigen, zehn Verwarnungen und etliche mündliche Verwarnungen. Einem Motorradfahrer wurde die Weiterfahrt untersagt. "Ein erfreuliches Ergebnis, das zeigt, dass unsere Kontrollen fruchten", resümierte Florian Mader als Leiter der Kontrollstelle.