Knapp am Arrest vorbeigeschrammt ist ein 19-Jähriger, der wegen des Vortäuschens einer Straftat vor dem Kitzinger Jugendrichter stand. Er hatte selbst Geld von seinem Konto abgehoben, dann aber Anzeige erstattet, weil angeblich sein Konto geplündert worden war. Das ist eine Straftat und darüber kann er jetzt bei 80 Sozialstunden nachdenken.

Dass es für den jungen Mann, der den Gerichtssaal schon von innen kennt, kein Arrest wurde, lag an mehreren zugedrückten Augen des Gerichts und den etwas schwierigen Familienverhältnissen.

Wer in der Familie das Kommando hat, war in der Verhandlung schnell klar: Der Sohn saß eher kleinlaut an der äußersten Ecke der Anklagebank. Der Vater im Zuschauerraum wollte indes gleich mitmischen, wurde aber ebenso schnell vom Richter und der Staatsanwältin ausgebremst. „Sie haben hier gar nichts zu sagen“, sagte der Richter und die Staatsanwältin kommentierte die Einmischungsversuche mit: „Das nervt.“ So kam dann doch der Sohn zu Wort und beichtete alles. Der junge Mann – damals noch in Ausbildung und derzeit auf der Suche nach einem neuen Job – hatte Schulden bei einem Bekannten und musste Kostgeld daheim abgeben.

Um seine Schulden los zu werden, hob er innerhalb weniger Tage einmal 250 Euro von seinem Konto ab und dann noch mal 295 Euro.

Forderung nach Kostgeld

Damit war das Konto geräumt. Vom Azubi-Gehalt nichts mehr da. Allerdings stand noch die offenbar sehr nachdrückliche Forderung der Familie nach Kostgeld aus. Weil er das nicht zahlen konnte, kam er auf die Idee, dem Vater zu erzählen, dass Unbekannte sein Konto geplündert hätten. Damit war der Familienvater gefragt und schnell in seinem Element. Der schleppte den Sohn zur Sparkasse zur Bestandsaufnahme und anschließend zur Polizei, wo Anzeige erstattet wurde. Ein klarer Fall von Vortäuschen einer Straftat. Warum er das gemacht habe, fragte der Richter. „Ich wusste nicht mehr, wie ich aus der Sache herauskomme“, sagte der 19-Jährige mit Blick auf den rabiaten Vater.

So nahm die Sache ihren Lauf. Die Polizei ermittelte und vergeudete viel Zeit. Die Sache flog auf. Und als dann der Termin für die Gerichtsverhandlung feststand, gestand der 19-Jährige auch seinen Eltern die „dumme Geschichte“. Die muss er jetzt ausbaden. Und er muss sein Leben selbst in die Hand nehmen. Jugendrichter Wolfgang Hülle jedenfalls empfahl ihm dringend, endlich den eigenen Kopf einzuschalten und auf eigenen Beinen zu stehen.