Mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen war gerechnet worden, am Ende hatte die Stichwahl ums Bürgermeisteramt in Dettelbach dann doch ein klares Ergebnis: 205 Simmen lag Freie-Wähler-Kandidatin Christine Konrad (2013 Stimmen/52,7 Prozent) vor ihrem Mitbewerber Michael Schuba (1908/47,3 Prozent).

Beim Blick auf die Einzelergebnisse aus den Stadtteilen wird der Grund des ansehnlichen Vorsprungs der neu gewählten Bürgermeisterin deutlich. Bei einer leicht höheren Wahlbeteiligung (68,4 Prozent gegenüber 67,7 Prozent am 23. September) war es Christine Konrad offenbar eher gelungen, Wähler aus dem Potenzial der UCW zu gewinnen. Bei den Stimmenzahlen hat Konrad lediglich im Wahllokal Dettelbach II (Volksschule) marginal (drei Stimmen) verloren, ansonsten gewann sie überall dazu. Besonders üppig fielen die Zugewinne in Euerfeld, Mainsondheim und Neusetz aus, auch bei den Briefwählern konnte die Freie-Wähler-Frau kräftig zulegen.

Die Niederlage Michael Schubas hat vor allem zwei Gründe. Einerseits profitierte er deutlich schwächer aus dem UCW-Lager, anderseits verlor er sogar gegenüber dem ersten Wahlgang in mehreren Wahllokalen an Stimmen. Nennenswerte Zugewinne bei der Zahl der abgegebenen Stimmen erreichte der CSU-Kandidat lediglich bei den Briefwählern. Ansonsten legte er nur gering zu.

Ein Patt ergab sich in Effeldorf, wo UCW-Mann Norbert Schneider am 23. September der Spitzenreiter war. Hier holten sowohl Schuba als auch Konrad jeweils 95 Stimmen. Die meisten Federn lassen musste Michael Schuba im Wahllokal Dettelbach I/Feuerwehrhaus mit einem Minus von 17 Stimmen.

Zur Niederlage Schubas haben die verunglückte Wahlkampf-Anzeige im Amtsblatt und der Umgang damit im Nachhinein möglicherweise beigetragen – entscheidend dürfte die Causa jedoch ebenso wenig gewesen sein wie der Wahlaufruf der UCW pro Konrad am vergangenen Dienstag.

Dazu ist der Abstand zwischen Siegerin und Verlierer zu groß. Auch darf die Wirkung von Wahlempfehlungen nicht überschätzt werden, zumal bei einer Personenwahl. Offenbar haben die Wähler ganz grundsätzlich der Freie-Wähler-Kandidatin das Amt eher zugetraut als dem CSU-Bewerber.

Für den Kreisverband der Christsozialen ist die Niederlage besonders bitter. Mit Dettelbach verlor die CSU nun auch die drittgrößte Stadt im Landkreis. Und die Chance zu einem neuen Anlauf auf die Rathausspitze lässt diesmal besonders lange auf sich warten: Sollte nichts Unvorhergesehenes passieren, werden die Dettelbacher erst bei der übernächsten Kommunalwahl im Jahr 2020 wieder über die Besetzung des Bürgermeisteramtes entscheiden.

Bürgermeister Reinhold Kuhn (CSU), der am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag hat, räumte gegenüber der Main-Post ein, „schon eine andere Erwartung“ gehabt zu haben. Kuhn, der auch stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender ist, gab sich aber dennoch gelassen: „Ich kann mit solchen Geschehnissen umgehen.“ Für die Ursachen der Wahlniederlage seines Favoriten habe er zwar keine genaue Erklärung, aber die „Turbulenzen der vergangenen Woche“ hätten wohl schon dazu beigetragen.

Während bei der CSU also Katerstimmung angesagt ist, dürfte die Hochstimmung bei den Freien Wählern noch ein Weilchen anhalten. Am Wahlabend feierte man in Dettelbach bis in die Nacht; zur Party im Gasthaus Engel waren zu späterer Stunde auch noch Prominente von außerhalb dazugestoßen, darunter die Bürgermeister Karl Wolf (Mainbernheim) und Karl-Dieter Fuchs (Mainstockheim), stellvertretender Landrat Paul Streng und FW-Landtagsabgeordneter Günther Felbinger.

Die Amtsübergabe an Christine Konrad ist am Freitag geplant.