Egal, ob die Kitzinger Stadtverwaltung nun tatsächlich wegen der schleppenden Baugenehmigung verklagt wird oder nicht: Der Fall ist nur die Spitze des Eisbergs. Beschwerden über die lange Bearbeitungsdauer von Bauanträgen kommen von vielen Seiten. Verständlicherweise, denn Zeit ist Geld. 

Bauherren gehen finanzielle Verpflichtungen ein, buchen Handwerker, richten ihre Zukunft nach ihren Bauvorhaben. Wenn dann eine Genehmigung statt vier bis sechs Wochen bis zu einem Jahr auf sich warten lässt, kommen all diese Pläne durcheinander – und das kann richtig ins Geld gehen.

Auch für die Stadt Kitzingen selbst ist das Nadelöhr Bauamt hinderlich. Immer wieder muss Bauamtsleiter Oliver Graumann im Stadtrat diskutierte Projekte mit Hinweis auf die Überlastung seiner Mitarbeiter aufschieben. Denn im Bauamt liegt auch die Zuständigkeit für die Stadtplanung. Stichworte: sozialer Wohnungsbau, Innenstadtentwicklung, Verkehrskonzept. Vieles liegt derzeit auf Eis.

Güntner hat das Problem geerbt

Zugegeben: Oberbürgermeister Stefan Güntner hat ein Problem geerbt, das nicht von heute auf morgen entstanden ist. Und dass die Baukonjunktur brummt und die Privatwirtschaft ihren Fachleuten höhere Gehälter bietet als eine Kommune, dafür kann die Stadt Kitzingen auch nichts.

Aber zu lamentieren, hilft nicht weiter. Güntner sollte die Baustelle Bauamt zur Priorität machen und alle Möglichkeiten ausschöpfen: Können andere Verwaltungsmitarbeiter stärker als bisher im Bauamt aushelfen? Kann die Stadt mehr Planungsaufträge extern vergeben? Wäre sogar eine Entlastung durch das Bauamt im Landratsamt denkbar?

Auch wenn es keinen schnellen Ausweg aus der Misere zu geben scheint, sollte sich die Stadtverwaltung um Güntner keine Denkverbote auferlegen. Gefragt sind kreative Ideen, die so viel Entlastung wie möglich für die überlasteten Bauamt-Mitarbeiter bringen. Klar ist: Das Bauamt darf nicht noch jahrelang eine Baustelle bleiben!