Mittags wurden im Logistikzentrum die letzten Lastwagen beladen, abends standen in der Halle 1400 Stühle für die Jahreshauptversammlung der Firma Knauf. Große Generatoren bliesen Warmluft in das festlich wirkende Logistikzentrum, und die Bergmannskapelle unter der Leitung von Johannes Wandler empfing die 1400 Mitarbeiter mit weihnachtlicher Musik. Eine vergleichbare Veranstaltung mit einem so festlichen Rahmen, sollte später Christoph Dorn – seit Mai Gruppengeschäftsführer der Knaufgruppe Deutschland/Schweiz – in seiner ersten Rede in dieser Runde sagen, „gibt es in keinem Unternehmen der deutschen Baustoffindustrie“.

Zu Jahresbeginn, sagte Alexander Knauf, geschäftsführender Gesellschafter, standen die Zeichen auf „volle Kraft voraus“. Doch das habe sich im Laufe des Jahres etwas relativiert: „Die Fronten im Ukraine-Konflikt haben sich deutlich verhärtet und sind schließlich in eine Rhetorik des kalten Krieges gemündet. Die vom Westen verhängten Wirtschaftssanktionen treffen die ohnehin schwächelnde Konjunktur“.

Zudem musste sich Knauf mit zusätzlichen Kapazitäten der Wettbewerber auseinander setzen. „Wir haben jedoch unsere Hausaufgaben gemacht und sind gut gerüstet“, zeigte sich Alexander Knauf zuversichtlich. Auch gebe es Lichtblicke in Europa, etwa in Großbritannien, Griechenland, Spanien und Portugal. Neue Werke entstanden in Ägypten und Brasilien, eines in der Türkei bekam eine neue Technologie. In der Summe, so Knauf, liege der Umsatz mit 6,4 Milliarden Euro leicht über dem des Vorjahres.

Die vielen Aktivitäten im Ausland begründet Knauf mit der „Orientierung an Regionen mit Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum“. Davon profitierten auch die Mitarbeiter in Deutschland, „als Zeichen der Anerkennung werden wir auch dieses Jahr wieder den übertariflichen Teil der Weihnachtsgratifikation in voller Höhe auszahlen“, so Knauf, was die Mitarbeiter mit Applaus bedachten.

In seiner von viel Beifall begleiteten Ansprache blickte Christoph Dorn auf 2014 zurück. Der ausgefallene Winter hatte im ersten Quartal die Branche jubeln lassen, dann folgten Ernüchterung und eine Auszeit im Baugeschehen im Sommer. „Wir zehren noch von den ersten starken Monaten, werden aber am Jahresende mit den erreichten Zahlen zufrieden sein können“, sagte Dorn. Im Trockenbau habe sich die Position als Marktführer gestärkt, der fehlende Winter und der starke Wohnbau habe die Putz- und Fassadensparte beflügelt, und auch die Entwicklung im Bereich Fassadensysteme entwickle sich besonders gut.

Zwei Preise im deutschen Baustofffachhandel gingen an die Firma Knauf: In der Trockenbausparte (ausgezeichnet von Hagebau) und als Lieferant in der Putz- und Fassadensparte (ausgezeichnet von Eurobaustoff). Die Logistik sei eine „wichtige Kernkompetenz, 42 000 Lkw-Ladungen werden am Ende des Jahres von diesem Logistikzentrum auf die Reise zu unseren Kunden in Deutschland geschickt sein“. Stillstand gebe es bei Knauf nicht, und das sei nur möglich, weil die Firma ihre Mitarbeiter sehr hoch schätzt. „Voraussetzung für den Erfolg waren und sind Sie: erfolgreiche, leistungsbereite Mitarbeiter“, so Dorn.

Alle leistungsorientierten Auszubildenden werden übernommen, die Ergebnisse bei der IHK-Prüfung sind sehr gut. „Besonders erwähnen will ich den zweiten Platz vom Chemielaborant Andreas Bulygin und dem Elektroniker für Betriebstechnik, Sebastian Friedrich.“ Das Fundament des Erfolgs, so Dorn, „ist Ihre Leistung, Ihr Können und Ihre Motivation, und damit schaffen wir es, auch in Zukunft unseren Wettbewerbsvorsprung auszubauen“.

Klaus Moik, der Vorsitzende des Betriebsrates, sprach ebenfalls von einem „zufriedenstellenden Abschluss des Jahres“. Kritik übte er an der Politik der Bundesregierung, die Rente mit 67 einführen zu wollen. „Das würde die Situation am Arbeitsplatz selbst verschärfen, denn dann müssten sie quasi altersgerecht gestaltet werden, und außerdem sind die Menschen dann von der langen Arbeit aufgebraucht“, sagte Moik.

37 Schulabgänger seien 2014 übernommen worden, zwei neue Ausbildungsberufe geschaffen, „vielleicht setzt sich auch das Duale Studium mehr und mehr durch“, hofft Moik, „wir setzen auf gute Ausbildung und übernehmen gute Auszubildende, denn bei uns werden sie gut ausgebildet“. Der Bericht über die Ehrungen: -> Seite 32