Er ist entspannt, das sieht man ihm schon an, als er aus seiner Limousine steigt, um Landrätin Tamara Bischof (Freie Wähler) und Oberbürgermeister Siegfried Müller (USW) auf dem Platz der Partnerstädte zur Begrüßung die Hand zu schütteln. Während seiner knapp sechsstündigen Visite in der Großen Kreisstadt lächelt der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) viel, macht einige Scherze und geht offen auf Bürger und politische Vertreter zu.
Auf dem Kitzinger Marktplatz, nur wenige Meter vom Ausgangsort entfernt, wird er von einigen Demonstranten begrüßt. Die Umgehung von Gaibach und der Ausbau der Autobahn A 3 sind dort die Themen, die die Bürger bewegen. Seehofer nimmt sich Zeit. Hört sich die Argumente an und versucht Lösungen aufzuzeigen. Im Fall von Gaibach schlägt er Teilschritte vor und versucht die Schärfe aus der Diskussion zu nehmen.
Neben den Bürgern haben auch Landrätin Tamara Bischof und Oberbürgermeister Siegfried Müller Anliegen, die sie dem Ministerpräsidenten auf den Weg geben wollen. Auch bei ihren Ausführungen, die sie in der Rathaushalle vortragen, hört der Landesvater aufmerksam zu und nimmt dann Stellung.
Draußen, vor dem Rathaus, werden derweil die Reden auf einer Leinwand übertragen. Etwa 50 Bürger nutzen die Chance, den Ministerpräsidenten live zu hören.
Eines der wichtigsten Themen ist der Klinikneubau auf den Flächen der Marshall Heights. Eine klare Zusage diesbezüglich hat Seehofer nicht aus München mitgebracht. "Was wir zusagen, wird auch gehalten", betont er. Deshalb sage er nur das zu, was nach menschlichem Ermessen bezahlbar sei.
Im Fall des Neubaus heißt das: Ist der Neubau nachweislich wirtschaftlicher als die Sanierung der aktuellen Klinik, will Seehofer den Neubau unterstützen. "Wir können das aber nicht allein entscheiden", unterstreicht er und verweist auf den Krankenhausplanungsausschuss, in dem auch Vertreter der Krankenkassen und Kommunen sitzen.
Eine klare Position bezieht der Ministerpräsident bezüglich Straßenbaumaßnahmen, wie der Umgehung von Gaibach und und dem Ausbau der Autobahn A 3. Um alte Straßenbau-Hausaufgaben erledigen zu können, fordert er eine Maut und erntet damit den Applaus des Publikums. Den Gaibachern rät er außerdem, sich zu entscheiden, was sie genau wollen. Dann sei der Freistaat flexibel in der Umsetzung.
Gehofft haben Stadt und Landkreis Kitzingen auf eine klare Zusage bezüglich einer finanziellen Förderung - eine Art "Konversions-Bonus". Auch in diesem Punkt macht der Ministerpräsident kein eindeutiges Versprechen, betont aber, dass sein Finanzminister Georg Fahrenschon gerade die staatlichen Förderinstrumente überarbeite. Demnach sollen ländliche Gebiete, die besonders unter der demografischen Entwicklung leiden, bei den Schlüsselzuweisungen speziell berücksichtigt werden.
Außerdem hat Seehofer eine konkrete Idee für die Flächen: Sie könnten eine entscheidende Rolle bei der Energiewende in Bayern spielen - als Flächen, auf denen regenerative Energie erzeugt wird.
Etwas Hoffnung kann der Landkreis in Bezug auf die Altlastenuntersuchung und Beseitigung am Kitzinger Flugplatz schöpfen. Laut Seehofer soll geprüft werden, ob der Fall Kitzingen vergleichbar mit der Situation in Giebelstadt ist. Falls ja will der Freistaat die Große Kreisstadt mit zwei Dritteln der Kosten unterstützen.
Am Ende durften sich Müller und Bischof noch über ein konkretes Versprechen freuen: Sollte es mit einem potenziellen Investor in Kitzingen Probleme geben, will sich der Landesvater persönlich dafür einsetzen, eine Lösung zu finden - völlig unbürokratisch.
Einen Vorgeschmack darauf, wie ein unbürokratischer Umgang mit Seehofer aussieht, haben Bischof und Müller schon bekommen. Denn Seehofer zeigt sich während seines Besuches volksnah, gut gelaunt und schlagfertig - solange es die Landrätin zulässt, dass er zu Wort kommt: "Einer Frau mit einer solchen Sprachmächtigkeit bin ich noch nie begegnet", scherzt Seehofer. Er steht Bischof an diesem Tag in nichts nach.