Ein weiteres Mal schieden sich die Geister der Kleinlangheimer Ratssitzung am Ratstisch beim Thema der Bauvoranfrage zum Bau einer Photovoltaikanlage. Diese soll auf einem 5,5 Hektar großen Acker in der Vorderen Au in Sichtweite der Bundesautobahn und der Bahnlinie entstehen. Die Ratsrunde lehnte einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan ab, mit fünf zu acht Stimmen fiel das Vorhaben des Landwirts Bernd Nickel noch deutlicher durch als noch mit sechs zu sieben Stimmen vor ein paar Monaten.

Auch durch die Tatsache, dass jetzt eine neuartige Agro-Photovoltaikanlage mit gewichtigen Vorteilen gegenüber einer normalen Photovoltaikanlage durch Bernd Nickel beantragt war, konnte niemand aus dem ablehnenden Lager überzeugen. Jetzt sattelte Antragsteller Bernd Nickel auf eine neuartige Agro-Photovoltaikanlage um, die den großen Vorteil hat, dass die Äcker wegen einer technisch anderen Bauweise zeitgleich für Energiegewinnung und die Landwirtschaft genutzt werden können. Deswegen begrüßte die Regierung von Unterfranken das Vorhaben aus landesplanerischer Sicht und das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten sah keine Konflikte mehr, da die Ackerflächen nicht mehr wegfallen.  Auch die Tatsache, dass die Gemeinde 27 000 Euro als Infrastrukturausgleich bekommen hätte und höhere Gewerbesteuereinnahmen gewunken hätten, konnte keinen der Ablehner am Ratstisch umstimmen.  

Bis zurück ins Jahr 2009 reichen die ersten Bestrebungen für ein solches Projekt, damals hatte der Gemeinderat im Flächennutzungsplan eine Areal mit mehreren Grundstücken für solche Projekte vorgesehen. Knackpunkt bei Bernd Nickels Fläche ist, dass gemäß Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2009 eine Anlage genehmigungsfähig war und dieser Ratsbeschluss bis heute besteht, wie Bürgermeisterin Gerlinde Stier betonte. Nach zwischenzeitlichen Gesetzesänderungen war ein solches Vorhaben einmal zulässig, dann jedoch wieder nicht. Zuletzt war eine normale Photovoltaikanlage mit sechs zu sieben Stimmen am Ratstisch durchgefallen.

Anlage wäre rentabel

Investor Jochen Link von der gleichnamigen Energietechnik-Firma in Gnötzheim erläuterte die Konstruktion der technischen Neuheit Agro-Photovoltaikanlage. Deren Module sind beweglich und können in der 90-Grad-Stellung senkrecht gestellt werden. Sie würden in einem Abstand von sieben Meter zueinander stehen, was dem Landwirt Platz zur weiteren Bewirtschaftung der Äcker ermöglichen würde. Die Anlage wäre laut Link rentabel, obwohl die Anlage nicht nach Süden ausgerichtet wäre. Auf Nachfrage von Vizebürgermeister Dieter Zeller informierte Link, dass der beteiligte Energieversorger N-ergie auch ein Bürgerbeteiligungsmodell ermögliche, wenn in den Kommunen Bedarf bestehe.

Desweiteren fasste das Gremium als notwendige Formalie den Aufhebungsbeschluss für den im vereinfachten Verfahren geplanten Bebauungsplan "Am Graben". Dafür hat der Gemeinderat kürzlich den Bebauungsplan "Am Graben" erneut ins Laufen gebracht, dieses Mal aber im normalen Planverfahren.

Gesangsverein erhält Förderung

Der Gemeinderat stimmte dem Vorhaben in Aztzhausen zum Bau einer kleinen Lagerhalle an der Alten Schule zu, die Halle soll 9000 Euro kosten und vom Amt für ländliche Entwicklung gefördert werden. Zudem segnete die Ratsrunde ein Nachtragsangebot in Höhe von 11 592 Euro von der in Atzhausen im Außenbereich des Feuerwehrhauses tätigen Pflastererfirma ab.

Wegen der Anbindung eines Hochspannungskabels zwischen Kleinlangheim und Atzhausen durch den Energieversorger N-ergie müssen demnächst wegen einer Montagegrube mehrere Wirtschaftswege gesperrt werden.

Die Ratsrunde fördert den Gesangverein wegen besonderer Umstände im Corona-Jahr heuer einmalig mit 750 Euro statt der gewohnten 500 Euro.