Bereits im November machten sich die Wiesentheider Gemeinderäte zu einem Klausur-Wochenende auf, um sich einmal fernab vom Ratstisch über die künftige Politik der 5000-Einwohner-Gemeinde auszutauschen. Das Treffen sollte dazu dienen, die Richtung und die Schwerpunkte festzulegen. Oder wie Bürgermeister Klaus Köhler im Nachhinein sagte: "Wir haben die Leitplanken aufgebaut. Bei vielen Themen haben wir uns auf das Grundsätzliche geeinigt. Jetzt geht es bei vielen Dingen um die Details", schilderte er das nicht nur aus seiner Sicht  fruchtbare Treffen.

Zweieinhalb Tage nahm sich das bis auf zwei Räte vollzählig teilnehmende Gremium Zeit für die Zukunft der Kommune. Und nicht nur dafür. "Gut war, dass man sich auch mal menschlich näher kam. Die Gruppen waren auch später, nach dem offiziellen Teil durchmischt, zwanglos. Man konnte sich auch mal außerhalb der Sitzung kennen lernen", so Köhler weiter.

Im Mittelpunkt der Klausur standen im Vorfeld gewählte 17 Schwerpunkte, zu denen Verwaltungsleiter Christian Sturm und seine Mitarbeiter einiges vorbereitet hatten. Die Leitung oblag einem professionellen Moderator. Darunter waren etliche Themen, die bereits in der Vergangenheit auf dem Tapet standen, wie die seit langem gewünschte komplette Umgehungsstraße für Wiesentheid oder die Frage wie und wann es mit dem Schlossplatz weiter geht. Dazu beschäftigte man sich mit den Bereichen Friedhof, Bauhof, Personalsituation, Kultur und Tourismus sowie Radwege.

Abhängigkeit von anderen Behörden

Bei der Umgehung einigten sich die Räte darauf, dass man auf eine Verbindung im Nordwesten von der Reupelsdorfer zur Feuerbacher Straße möglichst verzichten werde. Beim Abschnitt von der Rüdenhäuser Straße in Richtung Feuerbacher Straße soll es über die bestehende Strecke im Industriegebiet gehen und keine zusätzliche Straße gebaut werden. Nicht nur zu diesen Punkten will Bürgermeister Köhler mit den Zuständigen vom Staat sprechen. Dort hieß es bisher, dass die Gemeinde eine entsprechende Förderung bekomme, wenn der gesamte Ring gebaut werde.

Hier, wie in vielen Bereichen, sei die Gemeinde abhängig von anderen Behörden, merkte Bürgermeister Köhler an.

Details, aber auch Grundsätzliches, wurden angegangen. Der Umbau des Schlossplatzes soll voran getrieben werden. Dabei will man eine Fläche für Außengastronomie berücksichtigen. Für den gemeindlichen Bauhof wird eine bessere Ausstattung angestrebt, zudem soll die Einrichtung kurzfristig neue Stellen im Bereich Ortsbild und Abwasserbeseitigung bekommen. Auf längere Sicht wird ein neuer Standort für den Bauhof ins Auge gefasst.

Zusätzliches Personal in der Jugendarbeit

Zusätzliches Personal will die Kommune auch in der Jugendarbeit einstellen. So wird an eine Streetworkerin gedacht, zudem wird der offene Jugendtreff künftig mit einer Vollzeitstelle ausgestattet. Ein Umzug des Jugendtreffs in ein größeres Gebäude ist anvisiert.

Beim Seminar verständigten sich die Gemeindevertreter unter anderem auch darauf, sich Konzepte für die Bereiche Friedhof oder Tourismus erstellen zu lassen. Bei den Radwegen im Ort will man weiter kommen. Standorte für künftige Bau- oder Gewerbegebiete wurden debattiert, wie auch die Entwicklung der Ortsteile.

Bei der Besprechung der einzelnen Punkte informierten die jeweils dafür zuständigen Mitarbeiter aus dem Rathaus über die Situation in ihrem Bereich. Beim Seminar wurde etliches weiteres angestoßen, die Ergebnisse hielt Verwaltungsleiter Sturm auf Papier fest.

Den Umgang miteinander verbessern

Insgesamt meinte Bürgermeister Köhler, dass in den aufgeworfenen Projekten beinahe zu viel Arbeit für die nächsten Jahre stecke. "Zu den vielen Ideen sind viele Projekte aus der Vergangenheit bereits am Laufen, die wir noch umsetzen müssen. Dabei können wir die Kapazitäten, die wir haben, nicht überfordern."

Mit einigen Wochen Abstand zu dem arbeitsintensiven Wochenende hoben die Sprecher der beiden großen Fraktion am Wiesentheider Ratstisch, Andreas Laudenbach (Pro Wiesentheid/CSU) und Hans Müller (Bürgerblock), neben den besprochenen Projekten ein aus ihrer Sicht wichtiges Ergebnis der Klausur hervor: Die persönliche Ebene zwischen den Räten, die als Basis geschaffen wurde. "Es war erst einmal wichtig, dass man menschlich zueinander fand. Dass die Blockaden aus der Vergangenheit mal weg sind", fasste es Hans Müller zusammen.

Ratskollege Andreas Laudenbach, der eine solche Tagung in den Jahren zuvor immer wieder angeregt hatte, erhofft sich von der Tagung einiges. Das Klima am Ratstisch, das in den Jahren zuvor gelitten habe, hätte sich bereits verbessert. Künftig gehe nun nicht mehr die eine Seite von vorne herein mit einer Kontra-Position in die Beratung, wie es zuvor bisweilen der Fall gewesen sei. Auch inhaltlich habe man beim Treffen einiges geschafft. Es gebe eine Fülle an Vorhaben, die man nun gemeinsam umsetzen wolle.