Mit dem 1. Mai hat für Klaus Köhler ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Ein Vierteljahr später hat Wiesentheids neuer Bürgermeister, der im Vorfeld noch kein Amt in der Kommunalpolitik bekleidete, längst seine ersten Sitzungen im Gemeinderat und in anderen Gremien geleitet. Mittlerweile ist der 51-Jährige auch Standesbeamter und hat drei Paare verheiratet.

Das ist nur einer von vielen neuen Bereichen, die nun zu seinem Aufgabenfeld gehören. Klaus Köhler, der sich als Freier Wähler überraschend gegen seinen Vorgänger Werner Knaier (CSU) hauchdünn durchsetzte, fühlt sich angekommen und gut aufgenommen im Wiesentheider Rathaus. "Die Unterstützung bei den vielen Aufgaben, ob durch die Mitarbeiter oder den Gemeinderat, ist vorbildlich. Sie machen es mir einfacher, mich einzufinden." Für ihn fühle es sich an, als wäre er schon viel länger, als drei Monate dort. Sein Zwischenfazit: "Es läuft ganz gut, aber ich sehe bei mir noch Verbesserungspotenzial. Ich bin noch nicht da, wo ich sein will", meint der gelernte Bankfachwirt offen.

Bürgermeister lernt täglich dazu

Was Köhler an seinem neuen Betätigungsfeld gefällt, ja fasziniert, wie er selbst sagt, ist die Vielfalt, die ihn im Amt beinahe täglich erwartet. "Man lernt jeden Tag etwas Neues dazu, muss sich immer wieder in neue Themen eindenken. Das macht das Ganze so interessant." Das reiche von Anfragen über den Heckenschnitt über den Zustand der Bäche bis hin zum Stand der Sanierung der Schule oder des Schlossplatzes.

Der Rathaus-Chef vergleicht es mit einem großes Puzzle, in das er immer wieder Teile einfügt. Es gebe darin jedoch noch etliche weiße Flecken. Als Ortsoberhaupt sei nicht alles ein Vergnügen; er habe Bürgern auch schon negative Bescheide ausstellen müssen. Aber das gehöre eben auch dazu.

Klaus Köhlers Terminkalender ist voll, auch in Corona- und Ferienzeiten. Anfang Juli hat er sich eine Woche Urlaub gegönnt, weil seine Frau in der Zeit frei hatte, ansonsten ruft das Amt. Bisweilen auch am Sonntag, da schaut der Bürgermeister auch mal für drei, vier Stunden ins Amt. "Meine Frau hat häufiger sonntags Dienst bei ihrer Arbeit. Dann komme ich hier rein, lese und schreibe Mails, oder räume den Schreibtisch auf. Das kann ich dann in Ruhe machen."

Im Dienst sei man als Bürgermeister sowieso so gut wie immer für die Öffentlichkeit; das hat Köhler schon gemerkt. Wenn er in der Freizeit von Bürgern angesprochen werde, nehme er sich selbstverständlich die Zeit, um zu antworten.

Gegen das Blockdenken vorgehen

Schließlich will Köhler Bürgermeister für alle Wiesentheider sein, Brücken bauen, die Menschen einbeziehen. Im Gemeinderat sieht er sich als Vermittler, der gute Ideen voranbringen möchte und das "Blockdenken", wie er es nennt, wegbringen. Dazu gehört für ihn, mehr Aufgaben zu delegieren, seinen Stellvertretern und anderen Zuständigen das Vertrauen zu schenken. Das sei "einerseits, um mich zu entlasten, andererseits um zu zeigen, dass ich ihnen vertraue."

Bei der Frage nach den Projekten, die in der Marktgemeinde anstehen, verweist Köhler auf einiges, was vor seiner Zeit angestoßen wurde und nun weiterzuführen sei. Neue Baugebiete in Wiesentheid und den Ortsteilen, die Renovierung der Schule, die Erweiterung des Rathauses, die Städtebauförderung mit dem Schlossplatz und vieles mehr an früheren Ratsbeschlüssen sei umzusetzen.

Besuch in Reupelsdorf steht noch aus

Manches in Köhlers Gemeinde habe Verbesserungspotenzial, das weiß er. So hat sich das neue Ortsoberhaupt etwa den Friedhof vorgenommen, wo er das Gesamtbild aufhübschen will. Gerade die Pflege dort solle nicht vernachlässigt werden. In drei von vier Ortsteilen hat sich der Neue in der kurzen Amtszeit bereits umgeschaut; der noch fehlende Besuch in Reupelsdorf soll bald folgen. Die eine oder andere Idee habe er, so Köhler. Man müsse jedoch in nächster Zeit abwarten, wie sich die Finanzen der Kommune und die Situation allgemein gestalten.

Seit Jahren ein Dauerthema ist die Umgehungsstraße, die den neuen Bürgermeister in Wiesentheid weiter beschäftigen wird. Um Näheres dazu zu erfahren, stehe demnächst ein Termin beim Staatlichen Bauamt an. Gerade der Punkt der finanziellen Förderung sei sehr wichtig; darauf sei die Gemeinde angewiesen.

Zum Thema Bau einer Salatzucht in Wiesentheid, das dort im Vorjahr hohe Wellen schlug, gibt es eine neue Entwicklung. Die niederländischen Investoren haben ihre Pläne für einen Standort bei Wiesentheid aufgegeben.