Aufgeregte Vorfreude herrschte im geschmückten und mit Kerzenschein erleuchteten, vollbesetzten Saal beim 31. Marktbreiter Rathauskonzert im Publikum. Die Stadt Marktbreit konnte nach einem Jahr Zwangspause ihre beliebten Konzerte endlich wieder aufnehmen. Die vier jungen Musikerinnen des Esmé Quartetts (altfranzösisch für "geliebt") betraten nach einer kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Harald Kopp und Kulturreferentin Christiane Berneth die Bühne.

Den Koreanerinnen eilt ein beträchtlicher Ruf voraus. Im Jahre 2016 in Köln gegründet, erhielt das Quartett bereits mehrfach wichtige Preise für sein Spiel und arbeitete mit den besten Vertretern der Kammermusik an den Feinheiten, so mit Streichern vom Artemis- und Alban-Quartett. Die vier Musikerinnen gastieren in beeindruckenden Sälen, der Wigmore Hall, beim Lucerne Festival und nun in Marktbreit.

Von Klassik bis Jazz

Joseph Haydns Streichquartett G-Dur op. 77/1 stand am Anfang, ein Spätwerk, in seinem Adagio schon in die Romantik weisend. Das Esmé Quartett (Wonhee Bae, Yuna Ha, Jiwon Kim und Yeeun Heo) pflegte einen warmen, intensiven Ton mit sparsam eingesetztem Vibrato und spielte auf wunderbaren Instrumenten. Die vier waren im steten Kontakt, spielten mal heftig, mal schmelzend, auch fahl und dann plötzlich scharf. Mit viel Schwung nahmen sie das Menuetto, auch das Finale geriet zu einem Feuerwerk der Sechzehntel.

Erich W. Korngolds Streichquartett Nr. 2 Es-Dur op. 26, mehr als 100 Jahre später, 1934, uraufgeführt, weist ganz andere Harmonien auf. Korngold verbrachte seine Kindheit in Wien an der Wende zum 20. Jahrhundert, galt als Wunderkind und wurde von Mahler, Strauss und Puccini bewundert. 1934 emigrierte er wegen seiner jüdischen Herkunft in die USA, schrieb vorwiegend Filmmusik und gewann zwei Oscars.

Auch in diesem Streichquartett nahm man Einflüsse aus den USA wahr: Das Intermezzo kam jazzig daher, mit durchwegs warmem Fundament im Cello. Das Larghetto im dritten Satz: hohe Flageolett-Töne, darauf eine herrliche Melodie, flächige, füllige Klänge, die auch gut einen Film illustrieren könnten. Geradezu sphärisch spielte hier die Primgeigerin, entlockte ihrem Instrument süße Töne und sang mit den Saiten über einem aufgewühlten Untergrund ihrer Partnerinnen. Ein Wiener Walzer im letzten Satz, ein Stück zwischen Buschenschänke und Auflösung brachte das Esmé Quartett zur Höchstleistung: Was für ein Klang, den diese jungen Menschen da auf die Bühne brachten!

Im Jahre 1871 verfasste Peter I. Tschaikowski sein Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 11, ein Gelegenheitswerk, in dem er sich in Moskau als Komponist vorstellte und das durch sein Andante cantabile selbst Leo Tolstoi zu Tränen rührte. Mit einem ukrainischen Volkslied beginnend steigerte sich der erste Satz zu großer Virtuosität, um dann wieder in die Schlichtheit zurückzuführen. Und dann das Andante, eine herrliche Melodie in der ersten Geige, recht tief gelegen und mit warmem Klang gespielt über dem Pizzicato des Cellos, tief berührend, höchst expressiv.

Überhaupt schafften es diese Musikerinnen ganz leicht, ihre Zuhörerschaft zu erreichen: Man sah ihren Spaß und spürte ihr Brennen für die Musik. Begeisterter Applaus und Bravorufe forderten zwei Zugaben: ein koreanisches Volkslied, inniglich, tief versunken dargeboten, und "Over the rainbow" von einem Freund des Quartetts gesetzt, ein schönes Bild, das gemeinsam mit der Musik an diesem Abend Korea und Marktbreit verband.