Der Kitzinger Stadtrat hat am Donnerstagabend eines der größten und teuersten Bauvorhaben der kommenden Jahre auf den Weg gebracht. Eine Mehrheit von 23:7 beschloss, das Haus für Jugend und Familie entlang der Jahnstraße, parallel zur Florian-Geyer-Halle, zu errichten. Gegenstimmen kamen vor allem aus den Fraktionen der SPD und der Grünen. Kostenpunkt: 9,5 Millionen Euro – mindestens, denn vorerst existiert nur eine Schätzung. Die tatsächlichen Kosten könnten leicht im zweistelligen Millionenbereich landen. Baubeginn soll Anfang 2022 sein.

Diese Unsicherheit, was die endgültigen Kosten angeht, plus die trüben Aussichten, inwieweit die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie die städtischen Finanzen noch beuteln könnten, hatte Klaus Sanzenbacher (Grüne) dazu bewogen, in der Stadtratssitzung den dann mehrheitlich abgelehnten Antrag zu stellen, das Projekt so lange zurückzustellen, bis aussagekräftige Zahlen zum kommenden Haushalt vorliegen. Er nannte das Vorhaben ein "tolles Projekt". Doch, schränkte er ein, fehle ihm die Fantasie, wie die Stadt das bezahlen könnte.

Erwartete Zuschüsse sind nicht allzu üppig

Was Manfred Paul (SPD) Bauchschmerzen bereitet, ist der Umstand, dass die Stadt aktuell nur mit Zuschüssen von maximal 1,2 Millionen Euro rechnen kann, was Kämmerin Elisa Dietenberger bestätigte. Andrea Schmidt (Grüne) warb dafür, lieber bestehende Angebote der Jugendarbeit auszubauen und im Stadtgebiet besser zwei Angebote vorzuhalten statt ein großes. Dem entgegnete Oberbürgermeister Stefan Güntner (CSU), dass trotz des Neubaus die Jugendarbeit "Jungstil" in der Siedlung nicht wegfallen werde. Für diese zweiten Standort warb auch Astrid Glos (SPD).

Kräftig die Werbetrommel für die dem Stadtrat bereits im November ausführlich vorgestellten Pläne für das Haus für Jugend und Familie rührte Stephan Küntzer (CSU), auch als Vertreter des Jugendbeirats. Es bestehe hier die Chance, "aus einer Brachfläche ein neues Anlaufzentrum" zu schaffen, nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern für alle Belange von Familien.

Er malte ein düsteres Bild der aktuellen Lage in der Stadt. Die Jugend sitze gerade "im Keller", meinte er mit Blick auf die Heimstatt des Jugendzentrums "Jungstil". Dieses musste bereits im April 2018 seine Räume in der Schrannenstraße räumen, weil dort ein Hotel entstehen soll.  Untergekommen ist "Jungstil" dann im Stadtteilzentrum Siedlung.

Besser klotzen statt kleckern

Laut Küntzer benötigt Kitzingen möglichst bald ein adäquates Angebot der offenen Jugendarbeit. Denn die Stadt sei bereits jetzt dabei, "eine ganze Generation Jugendliche zu verlieren". Und hierfür müsse das Motto lauten: Lieber gleich richtig bauen, statt weiteres Stückwerk schaffen, indem Bestehendes nur erweitert und saniert wird.

Das vorgesehene Haus für Jugend und Familie soll als einstöckiger Bau aus Massivholz mit grünem Dach entstehen. Dort wird neben dem Jugend- auch das Familienzentrum an einer gemeinsamen Adresse unterkommen. Das benachbarte ehemalige "Radlernest" wird saniert und baulich den Erfordernissen eines künftigen Seminarbereichs angepasst. Im Jugendhaus wird es neben Freiflächen zum Spielen Raum für Bewegung, ein Jugendcafé als zentralen Treffpunkt, Räume für Mediennutzung, Bands und Werkstätten geben. Dazu kommt Platz für die Verwaltung.