Schon seit Jahren werden Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam an der Kitzinger St.-Hedwig-Grundschule unterrichtet. Nun hat sich die Schulgemeinschaft um das Schulprofil Inklusion beworben – mit Erfolg. Kürzlich nahmen Sonderpädagogin Angela Nusko und Schulleiter Klaus Aschrich die Auszeichnung von Bildungsstaatssekretär Georg Eisenreich in München entgegen.

Für Aschrich war es Zeit, den Antrag einzureichen, „weil unsere heterogene Schülerschaft zeigt, wie wichtig es ist, dass alle Kinder zusammen lernen.“ Ab der ersten Jahrgangsstufe sind die Mädchen und Jungen daran gewöhnt, dass einige ihrer Mitschüler hin und wieder andere Hausaufgaben bekommen oder sich im Unterricht mit etwas anderem beschäftigen. Für sie ist das gar kein Problem.

Unterstützung durch Sonderpädagoginnen

Denn in jeder Klasse gibt es Kinder mit Förderbedarf: Einige haben Lernschwierigkeiten, andere zeigen Probleme in der geistigen Entwicklung, der Sprache oder im sozialen/emotionalen Bereich.

Um alle Schüler entsprechend unterrichten zu können, werden die Lehrerinnen von den beiden Sonderpädagoginnen Sabine Held und Angela Nusko unterstützt. Sie erstellen für jedes Kind mit Förderbedarf einen Plan. In einigen Fällen sieht der vor, dass sie zwischendurch alleine oder in einer kleinen Gruppe betreut werden. Manchmal sitzen die Pädagoginnen auch nur als Beobachterinnen im Klassenzimmer.

Beide Frauen sind wöchentlich für einige Stunden an der Schule. Ursprünglich kommen sie von der St.-Martin-Schule – dem Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Dadurch, dass der Hedwig-Schule das Profil Inklusion nun offiziell anerkannt wurde, müssen die Zeiten von Sabine Held nicht jedes Jahr aufs Neue verhandelt werden. Stattdessen ist sie jetzt 13 Stunden fest da.

Der Unterricht ist individualisierter

„Das schafft natürlich Planungssicherheit“, so die Pädagogin. Denn die Unterrichtssituation sei eben individualisierter – da brauche es erfahrenes Personal, das die Förderung der Kinder unterstützt.

Durch den Erhalt des Profils soll aber nicht nur die Zusammenarbeit mit den Fachkräften garantiert werden. Es geht auch darum, das Bewusstsein für das Thema weiter zu schärfen. So kann das Kollegium etwa an schulinternen oder Fortbildungen der Regierung von Unterfranken teilnehmen. Außerdem wird jetzt geschaut, wo es weiteren Handlungsbedarf gibt. Schließlich habe jede neue Entwicklung auch ihre Haken. „Wir wollen die positiven Erfahrungen nutzen und die Probleme angehen, die es gibt“, so Held.

Wechsel in ein Förderzentrum empfohlen

Aufgrund der UN-Konvention haben Schüler mit Förderbedarf das Recht, an regulären Grundschulen unterrichtet zu werden. Die Sonderpädagoginnen stehen deshalb auch mit Müttern und Vätern in Kontakt. Das Schulamt in Kitzingen berät Eltern und Lehrkräfte ebenfalls – manchmal wird auch der Wechsel in ein Förderzentrum empfohlen.

Das Schulprofil Inklusion wird seit dem Jahr 2011/12 in Bayern verliehen – dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus zufolge haben es inzwischen 240 Schulen empfangen; neben der St.-Hedwig-Schule hat es in Kitzingen auch die Grundschule in der Siedlung.