Der prominente Kitzinger Bauunternehmer und Stadtrat Georg Wittmann hat sich und den gesamten Stadtrat in eine heikle Lage manövriert. Bei der Sanierung seines denkmalgeschützten Hauses am Marktplatz 21 in Kitzingen hat er, ohne eine Genehmigung abzuwarten, vier Gauben in das zweite Dachgeschoss einbauen lassen. Das Motiv ist nachvollziehbar: Wittmann will die Dachgeschosse als Wohnraum nutzen und Dachwohnungen mit Gauben und Ausblick lassen sich besser vermarkten.

Dieses Ansinnen des geschäftstüchtigen Unternehmers, der das Projekt offiziell unter dem Namen seines Sohnes Dirk, ebenfalls Stadtratsmitglied, abwickelt, traf im Bauausschuss des Stadtrats am Donnerstag auf Verständnis, ja Sympathie. Schließlich hat sich das Gremium fraktionsübergreifend auf die Fahne geschrieben, mehr Wohnraum in Kitzingen zu schaffen.

Allerdings haben sich Stadtheimatpfleger und Denkmalschutz gegen die Gauben ausgesprochen. Zudem hat die Stadt Kitzingen eine Gestaltungssatzung für ihre Altstadt, die penibel regelt, was erlaubt ist und was nicht. Die von Wittmann gewünschten Dachgauben sind demnach nicht gestattet. Doch der Fall liegt kompliziert: Der Stadtrat kann in besonders begründeten Fällen Ausnahmen zulassen.

Streit über mündliche Zusage

Tatsächlich ist daher die Bauverwaltung Vater und Sohn Wittmann schon weit entgegengekommen. Erstens durften die Bauunternehmer einen Aufzug einbauen; und zweitens erhielten sie die Erlaubnis, auf der nach hinten liegenden Seite des Gebäudes, Gauben und sogar Balkone einzubauen.

Georg Wittmann wollte aber mehr und hatte noch in der Amtszeit des ehemaligen Oberbürgermeisters Siegfried Müller (UsW) um Genehmigung seines Vorhabens gebeten. Diese Genehmigung habe er bis zum Amtswechsel im Mai 2020 nicht erhalten, erklärte Wittmann auf Nachfrage, obwohl er "den Sigi" mehrmals darum gebeten habe. Nachdem mit Stefan Güntner (CSU) ein neuer OB ins Amt gekommen war, hatte Wittmann Güntner, Müller und den Bauamtschef Oliver Graumann im vergangen Frühsommer zur Baustellenbesichtigung eingeladen und seine Absichten mit Blick auf die Gauben zum Marktplatz erläutert.

Im Gespräch habe er Signale erhalten, die ihn bestärkten, er könne sein Vorhaben verwirklichen, sagte Wittmann der Redaktion. Die Gauben seien vorstellbar, nahm er als Fazit mit. Allerdings habe die Bauverwaltung Wittmann erklärt, er solle dafür einen formalen Änderungsantrag bei der Stadt einreichen. Dann werde man sich damit befassen, erklärte OB Güntner auf Nachfrage.

Das hat Wittmann zwar getan, aber auch die Gauben bauen lassen, bevor er eine Genehmigung bekam. Das Rathaus, das als gegenüberliegender Nachbar Wittmanns Bausünde direkt vor Augen hat, verhängte daraufhin einen Baustopp. Für die Stadtverwaltung und Teile des Stadtrats handelt es sich um einen Schwarzbau. Wittmann widerspricht dem auf Anfrage der Redaktion vehement, weil er glaubt, eine mündliche Zusage bekommen zu haben.

OB Güntner wollte eine Brücke bauen

Am Donnerstag wollte OB Güntner dem Bauausschuss, dem Georg Wittmann als Zuhörer beiwohnte, einen gangbaren Weg ebnen: Er ließ die Räte informieren, dass Denkmalschutz und Stadtheimatpfleger gegen den Einbau der Gauben seien. Es liege nun an der Regierung von Unterfranken zuerst eine Entscheidung zu treffen. So lange, so der Vorschlag des OB, solle sich der Bauausschuss mit einem Beschluss zurückhalten. Dabei schwang der Hinweis mit, dass selbst wenn der Ausschuss für Wittmanns Planänderung stimmen würde, der Denkmalschutz die Gauben noch zu Fall bringen könnte.

Doch statt abzuwarten, stellte Müllers UsW-Kollege Werner May den Antrag abzustimmen. Damit war das Gremium mitten in der Diskussion. Auf die eine Seite stellten sich ÖDP, SPD und Grüne, auf die andere CSU und FW-FBW. Jens Pauluhn (ÖDP) ließ Verständnis für die Gauben erkennen, betonte aber, dass sie bereits ohne Genehmigung gebaut wurden und der Ausschuss einen Präzedenzfall schaffen würde, sollte er diesen Verstoß gegen Baurecht und Gestaltungssatzung durchwinken. 

Zum Anwalt Georg Wittmanns machte sich sein FW-FBW-Kollege Uwe Pfeiffle. Er übernahm Wittmanns Worte, die Stadt habe diesem mündlich ihr Einverständnis erklärt. Außerdem gebe es bereits von der Gestaltungssatzung abweichende Gebäude in der Innenstadt, wie Pfeiffle mit Fotos belegte: "nicht ungewöhnlich, ganz normal".

Timo Markert (CSU) bedauerte, dass es sich "dummerweise um einen prominenten Bauherrn" handele, ließ aber treuherzig erkennen: "Ich hätte es auch so gemacht." Das wiederum bewog Manfred Paul (SPD) zu dem väterlichen Rat, so etwas nicht im Ausschuss verlauten zu lassen. Paul stellte klar: "Es geht doch um die Vorgehensweise, die sauer aufstößt."

Sorge um das Ansehen des Stadtrats

Wie Paul machte sich auch Klaus Sanzenbacher (Grüne) Sorgen um die Außenwirkung des Rats. Es entstehe der Eindruck: "Ein Stadtrat kann sich alles erlauben, weil eine Krähe der anderen kein Auge aushackt." 

Am Ende erteilte die Ausschussmehrheit mit 8:5 die nachträgliche Genehmigung zum Einbau der Gauben, so wie sie Wittmann beantragt und schon gebaut hat. Damit erteilte das Gremium eine Befreiung von der geltenden Gestaltungssatzung. In einem ähnlichen Fall war der Iphöfer Bauausschuss vor zwei Jahren konsequent gegen einen betroffenen Stadtrat vorgegangen.

Manfred Paul sorgte daraufhin dafür, dass die Entscheidung dem gesamten Stadtrat vorgelegt wird. Unabhängig davon entscheidet noch die Regierung. Eine Aufhebung dieses Beschlusses ist also noch möglich. Außerdem prüft die Verwaltung die Verhängung eines Bußgelds.