Als die Vereinten Nationen (UN) 2011 das Dekade-Projekt "Biologische Vielfalt" ausriefen, hatten die Amerikaner den Kitzinger Klosterforst als Übungsgelände gerade vier Jahre aufgegeben. Bis dahin hatten Panzerketten die Wald- und Wiesenlandschaft umgepflügt.

Seit 2005 ist der Klosterforst, dessen Nutzungsgeschichte bis ins zweite Jahrhundert zurückreicht und der seit Anfang des 19. Jahrhunderts größtenteils im Besitz des Freistaates ist und hauptsächlich der Gewinnung von Forsterzeugnissen diente, Teil des Forstbetriebes Arnstein der Bayerischen Staatsforsten.

Das rund 1200 Hektar große Areal ist durch seine weitreichende und vielfältige Nutzungsgeschichte ein Naturschutzjuwel mit Wald- und Offenlandbereichen, Feucht- und Trockenflächen. Diese Entwicklung ganz im Sinne des UN-Programms führte nun dazu, dass der Forstbetrieb Arnstein im Rahmen der UN-Dekade ausgezeichnet wurde.

Forstbetriebsleiter Christoph Riegert machte dazu deutlich, dass Erhalt und Förderung der Waldflächen zentrales Anliegen der Staatsforsten sei. Alle Maßnahmen seien nach Art und Standort entwickelt worden. Mit Stolz könne er nun festhalten, dass es das Projekt bis zu einer Auszeichnung geschafft habe.

Arbeit im Hintergrund

Die Auszeichnung wurde von der Landtagsabgeordneten Barbara Becker überreicht. Zusammenarbeit sei fast immer ein Erfolg und das Beste um unterschiedliche Interessen zu erreichen, betonte die Abgeordnete. Die Staatsregierung habe erkannt, wie wichtig Biodiversität sei und sie deshalb thematisiert. Manchmal werde jedoch ein langer Atem gebraucht. Sie würdigte vor allem die kleine, leise Arbeit im Hintergrund bei der Bewirtschaftung und Pflege und begrüßte, dass viele, auch sehr seltene Tierarten wieder zurückgefunden haben. Die von den UN ausgerufene Dekade gehe zwar zu Ende, die Arbeit gehe aber weiter. Die Bezeichnung "ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade biologische Vielfalt" darf zwei Jahre getragen werden.

Tümpel für Amphibien

Landrätin Tamara Bischof bezeichnete die Auszeichnung eine Anerkennung für die Arbeit der letzten Jahre. Nachdem die Amerikaner den Wald nach ihren Ansprüchen gerodet hatten, seien darin neue Lebensräume für Amphibien und andere Tierarten wieder heimisch geworden. Mit Unterstützung des Landratsamtes seien Tümpel für Amphibien angelegt und mit Zustimmung der Regierung sei ein Zaun für Rinder in ganzjähriger Offenlandhaltung gebaut worden.   

Als Bezirksrätin führte Gerlinde Martin an, die Heimat zu bewahren und zu schützen sei eine wichtige Aufgabe. Im Klosterfrost zeige sich zudem der Wert guter Zusammenarbeit. Wer durch den Klosterforst fahre könne nicht erkennen, welches Kleinod sich hier entwickelt habe. Das Projekt habe daher Beispielcharakter über die Region hinaus.

Thomas Keller von der höheren Naturschutzbehörde der Regierung merkte an, die öffentliche Anerkennung sei ein Grund zu besonderer Freude. Schon 2008 habe die Staatsregierung die biologische Artenvielfalt als wesentlich für das Leben anerkannt, daraus sei die Biodiversitätsstrategie entstanden. Gegen die Wärmezunahme und den Verlust der biologischen Vielfalt werde seither angearbeitet. Das Erreichte sei Ansporn weiter zu machen.

Besonders schützenswert

Die Verleihung der Auszeichnung nannte Peter Aichmüller vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einen Lohn für geleistete Arbeit. Die Amerikaner hätten nach mehr als 30 Jahren Nutzung Dünen, Sand, Kuhlen und kleine Seen hinterlassen, was den Klosterforst letztlich besonders schützenswert machte.

Waldfreie Flächen sollen waldfrei bleiben. Daher sei die Beweidung durch Dexter-Rinder, die kleinste europäische Rinderrasse, eine geniale Idee. Seit 2014 waren aus einem Fördertopf 10000 Euro verfügbar, die für die Anlage von Tümpeln und Kleingewässern eingesetzt wurden.

Die rund 15 Hektar große Weidefläche wird von Ramona und Thomas Weber mit Dexter-Rindern bewirtschaftet, die weitgehend sich selbst überlassen werden können und hinter einem Zaun die Verbuschung nachhaltig eindämmen.