Das hat die Kitzinger Stadtverwaltung nun davon: Weil sie zuletzt 2007 ihre Friedhofsgebühren erhöht hat, muss sie sie nun schlagartig derart nach oben schrauben, dass manchem Stadtrat und wohl auch manchem Bürger schwindlig werden dürfte. Einer kostendeckenden Neuberechnung zufolge würden sich die Beträge in manchen Fällen verdoppeln. In einigen wenigen könnten sie sich sogar vervierfachen. 

In Kitzingen beerdigt zu werden, ist jetzt schon teurer als in Nürnberg oder Würzburg. Kein Wunder, dass der Stadtrat der neuen Gebührenordnung in seiner Sitzung am Donnerstag so nicht zustimmen wollte, fürchtet er doch zu recht den Zorn seiner Bürger und Wähler.

Stadtverwaltung blieb zu lange untätig

Das Problem ist durch das Versäumnis der Stadtverwaltung entstanden: Das verdeutlichte Dieter Mühlfeld dem Gremium unumwunden. Der Prüfer des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbands erinnerte die Stadt an ihre Pflicht, das Friedhofswesen kostendeckend zu betreiben. Sprich: Die Stadt kann nicht einfach Gebühren festsetzen, die ihr genehm erscheinen und die Friedhofsnutzer möglichst wenig belasten. Vielmehr ist sie im Grundsatz gesetzlich verpflichtet, dass der Großteil der Friedhofskosten durch die Gebühren für diese Einrichtung gedeckt wird. Deshalb, so rügte der Prüfungsverband, müsse die Stadt spätestens alle vier Jahre ihre Gebührenordnung überprüfen. Eine Finanzierung aus allgemeinen Steuern und Gebühren ist nur in Teilbereichen zulässig, zum Beispiel für die öffentlichen Grünflächen innerhalb eines Friedhofs. 

Folglich hatte Mühlfeld die nicht getane Arbeit der Stadtverwaltung übernommen und eine weitgehend kostendeckende Gebührenrechnung "nach wirtschaftlichen Bedürfnissen" aufgestellt. Da sich allein durch Lohnkostensteigerungen in den vergangenen 13 Jahren immer höhere Kosten und zuletzt auch Defizite angehäuft haben, müssten die Gebühren drastisch steigen. Ein weiterer Grund: Auch die Kosten für die Sanierung der Aussegnungshalle am Neuen Friedhof der Kernstadt muss die Stadt zu großen Teilen an die Nutzer weitergeben. Allein 2018 betrug das Defizit im Friedhofs- und Bestattungswesen 81 000 Euro.

Der Stadtrat war sich nach der Vorstellung der neuen Gebührenordnung einig, dass man sie nicht 1:1 umsetzen könne. Tobias Volk (FW-FBW), als Bestatter vom Fach, mahnte an, über die Gebühren auch die Bestattungsformen zu lenken. Nach derzeitigen Vorstellungen würden ausgerechnet die sowieso schon gefragten Urnenbestattungen billiger, während die Erdbestattungen, die nicht mehr so oft gewünscht werden, deutlich verteuert würden. 

Trend zur Urne

Das Gremium war sich einig, dass es für die Defizite viele Gründe gibt. So würden Gräber heutzutage früher aufgelassen und nicht mehr so oft verlängert. Der Trend zur Urne tut ein Übriges, um immer mehr Grabflächen brach liegen zu lassen. So steigen die Kosten, während die Nutzerzahlen sinken. Das macht es für den Einzelnen nochmals teurer. 

Am Ende bat der Rat den Vertreter des Prüfungsverbands, seinen Gebührenvorschlag zu überarbeiten. Zum einen möge er den Anteil der öffentlichen Grünflächen stärker gewichten; er wird aus allgemeinen Steuern finanziert. Zum anderen wünscht sich das Gremium unterschiedliche Gewichtungen bei den Bestattungsformen. Mit der Neuvorlage kommt der Fachmann dann das nächste Mal wieder.