Von zerstörerischem Hagel ist Reinhold Walter bei den Gewittern in den vergangenen Tagen verschont geblieben. "Der Mais war vom Sturm vergangenes Wochenende zwar umgedrückt, er hat sich aber wieder aufgerichtet", berichtete der Iffigheimer Landwirt drei Männern. Sie hören interessiert zu, denn sie wollen wissen, welche Probleme ihn plagen.

Rudolf Bender, der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes Kitzingen, Kreisobmann Alois Kraus und Gerhard Reiser, Fachberater für Pflanzenbau bei Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen, trafen sich gestern im Hof der Familie Walter zum traditionellen Erntegespräch. Diese Zusammenkunft findet immer kurz vor Beginn der Erntesaison statt. Die Beteiligten bewerten dabei den Verlauf der bisherigen Wachstumsperiode.

Ungünstige Witterung


Extreme Wetterereignisse nehmen zu. "In den vergangenen Tagen gab es mehr Niederschläge als im Februar, März und April zusammen", stellt Alois Kraus fest. Der Wassermangel von Feldfrüchten sei der ertragsbeschränkende Faktor im Landkreis Kitzingen geworden. Dem Wintergetreide und dem Raps bekam der ungünstige Witterungsverlauf im Frühjahr nicht. Auch der erste und der zweite Grünlandschnitt waren nicht ergiebig. Milchviehhalter Walter muss aber 40 Kühe füttern können.

Die Bauern im Landkreis sind unzufrieden. "Kein gutes Jahr", sagen sie, zum zweiten Mal in Folge. Nach den Kahlfrösten im Februar hat es drei Monate lang nicht richtig geregnet. Auf Feldern, auf denen das erfrorene Wintergetreide untergepflügt und neu gesät werden musste, litten die neuen Pflanzen unter der Trockenheit. Außerdem setzten den Kulturen weiterhin Wechselfröste zu. Milchviehhalter Reinhold Walter, der mit seinem Sohn Michael 90 Hektar bewirtschaftet, musste die Hälfte seiner Felder umbrechen und neu bestellen.

Wo sie das Wintergetreide stehen gelassen haben, hoffen sie auf ein höheres Korngewicht in den ausgedünnten Beständen. "Mehr als 30 bis 50 Prozent dicker sind die Getreidekörner aber nicht. Das kann nicht den Verlust ausgleichen, den wir haben", sagt Reinhold Walter.

20 Prozent der Schoten sind ausgefallen


Der Iffigheimer Landwirt zeigt den Fachleuten sein Rapsfeld. Kein schöner Anblick. 20 Prozent der Schoten sind schon ausgefallen. Der ganze Bestand ist ausgedünnt. Es gibt viele grüne Stellen, wo die Pflanzen neu ausgetrieben haben, als es mehr regnete. Schwierig zu ernten. "Das grüne Zeug bleibt im Mähdrescher hängen", sagt Michael Walter.

Vater und Sohn überlegen, ob sie mit dem Rapsanbau überhaupt weitermachen wollen. Eine Alternative wäre, mehr Mais zur Energieerzeugung in der Biogasanlage des Industrie- und Gewerbeparks Gollhofen-Ippesheim anzubauen. Sie könnten aber auch auf Sojabohnen umsteigen oder vermehrt Dinkel säen.

Landwirte müssen heutzutage enorm flexibel sein. Das haben Reinhold und Michael Walter längst erkannt. Doch sie sind machtlos, wenn das Wetter nicht mitspielt.Dann sieht das Ergebnis so aus wie in einem Feld mit Wintergerste in der Iffigheimer Flur. Ringförmige kahle Stellen klaffen zwischen den gelben Stängeln. Unkraut hat sich großflächig ausgebreitet. So ein Acker macht beim Dreschen Verdruss. Nächste Woche soll es aber losgehen mit der Ernte - trotz aller Widrigkeiten.