Der Geburtsort eines Kitzinger Schauspielers sorgte in der vergangenen Woche für Verwirrung . Ein aufmerksamer Leser meldete sich nach Erscheinen des Berichts über Wolfram Rupperti. Er sei sich sicher, so der Anrufer, dass es im Alten Krankenhaus Kitzingen nie eine Entbindungsstation gegeben habe. Deswegen startete diese Redaktion einen Leseraufruf, um das Rätsel zu lösen. Doch das gestaltete sich schwieriger als zunächst angenommen.

Das Redaktionstelefon lief seit Veröffentlichung des Leseraufrufes heiß. Es rief eine Vielzahl Kitzinger Bürgerinnen und Bürger an, um ihre Kenntnisse zur Geschichte mitzuteilen. Insgesamt führten unsere Redakteure fast 30 Telefonate. Dabei entstanden allerdings zwei mögliche Versionen der Wahrheit.  

Erste Version: Belegbetten im Alten Krankenhaus

Ähnlich wie Rupperti berichteten einige Anrufer, selbst im Alten Krankenhaus geboren worden zu sein oder jemanden zu kennen, auf den dies zutreffe. Die meisten sprachen in diesem Zusammenhang von Belegbetten für Frauenärzte, die für die Entbindung genutzt werden konnten.

So zum Beispiel auch Norbert Kaulfuss aus Abtswind: "Ich wurde 1963 im Alten Krankenhaus geboren." Auch er sprach von eben diesen Belegbetten. "Ich werde wahrscheinlich nicht der einzige sein, der so etwas berichten kann", merkte er an. 

Damit behielt er recht – auch andere bestätigten diese Aussage. "Ich bin 1971 im Alten Krankenhaus geboren" sagte Kerstin Werner aus Kitzingen. Ihre älteren Geschwister seien alle Hausgeburten gewesen. Allerdings empfahl der Arzt ihrer Mutter, den Nachwuchs in professioneller Umgebung auf die Welt zu bringen. "Deswegen kam meine Mutter damals auch ins Alte Krankenhaus", erklärte sie.

Zweite Version: Frauenarztpraxis in der Falterstraße

Der andere Teil der Anrufe zweifelte an, dass es Geburten im Alten Krankenhaus gegeben haben soll. Die Version hier: Werdende Mütter wurden für die Entbindung entweder nach Dettelbach oder in eine Frauenarztpraxis in der Falterstraße gebracht. 

Die Praxis soll in den 1960er-Jahren einem Dr. Kühnl gehört haben. "Dieser hatte auch Betten für Entbindungen; meine Mutter war Patientin bei ihm", erzählte Robert Blase aus Buchbrunn, "Ich bin dann allerdings 1950 in Würzburg geboren." 

Auch eine ehemalige Mitarbeiterin der Praxis meldete sich. Hannelore Hassold aus Mönchsondheim kam im Alter von 14 Jahren als Hauswirtschaftlerin zu Dr. Kühnl. "Er hatte eine Entbindungsstation in der Falterstraße, zwischen Bäcker Will und der VR-Bank", bestätigte auch sie. Diese sei dann jedoch 1971 geschlossen worden.

Des Rätsels Lösung lag in den Tiefen des Stadtarchivs

So lagen der Redaktion nun verschiedene plausible Geschichten vor. Allerdings mit einem Wermutstropfen: Sie kamen zum größten Teil nicht aus erster Hand. Viele Mütter, die zu dieser Zeit schwanger waren, leben mittlerweile nicht mehr. Ähnlich sieht das bei den damals praktizierenden Ärzten aus. Kontaktdaten eines Kitzinger Arztes, der noch lebt, durften aus Datenschutzgründen vom Verwaltungsvorstand der Klinik Kitzinger Land nicht weitergegeben werden. Auch die Online-Recherche hatte hier keinen Erfolg. 

Die letzte Möglichkeit war eine Anfrage im Kitzinger Stadtarchiv. Und tatsächlich konnte Leiterin Doris Badel Klarheit verschaffen. "Die Leser haben recht: Es gab seit Juli 1957 im Alten Krankenhaus in einem neuen Anbau tatsächlich auch eine Frauenstation", bestätigte sie. Wie lange dort entbunden wurde, könne sie allerdings nicht sagen.

Ein möglicher Grund für eine Schließung der Station könne der Weggang der Diakonissen von Neuendettelsau im Jahr 1965 gewesen sein. "Diese waren als Schwestern tätig und es könnte zu einem Personalmangel gekommen sein" erklärte Badel. Parallel trete auch die private Entbindungsstation von Dr. Kühnl zu dieser Zeit in Erscheinung. Diese schloss laut Badel im Frühjahr 1971. Es stimmen also beide Versionen der Geschichte. - Fall gelöst, das Detektivbüro konnte damit wieder zur Redaktion werden.