Der Kitzinger Stadtrat hat sich die Debatte um die Baulandpreise für sein neues Wohngebiet "Südlicher Hammerstielweg" nicht leicht gemacht. Das Gremium diskutierte viele Aspekte: die Lage innerhalb der Stadt und die Nähe zu Würzburg, die Infrastruktur in der Großen Kreisstadt mit Schulen, Ärzten, kulturellen und Einkaufsangeboten, die hohe Nachfrage und das geringe Angebot an verfügbaren Bauplätzen in der Stadt und den Stadtteilen. All das sprach für einen relativ hohen Quadratmeterpreis.

Der Wunsch, jungen Familien Wohnraum zu bieten, Schwerbehinderte bei der Suche nach Bauland zu unterstützen und Bürgern, die in Kitzingen leben oder arbeiten, Vorteile zu gewähren, waren die sozialen Gesichtspunkte, die zu berücksichtigen waren.

Thomas Rank (CSU) berichtete aus der vorangegangenen Diskussion im Stadtentwicklungsbeirat, dass sich alle Beteiligten um "eine ausgewogene Lösung" bemüht hätten, die zugleich gesetzeskonform sei. Insofern übernahm der Stadtrat die sozialen Kriterien für die Vergabe der Bauplätze nach einem Punktesystem, wie es von der ÖDP vorgeschlagen und in der Diskussion definiert worden war. Familien, Schwerbehinderte und Bürger mit Ortsbezug werden als Erste Zugriff auf die Bauplätze bekommen. Wer nach solchen Kriterien die meisten Punkte erreicht, darf sich zuerst ein Grundstück aussuchen. 

Was ist eine Familie?

Interessant war in diesem Zusammenhang die Definition von Familie mit Blick auf die Kinder. Dafür gilt die juristisch sperrige Formulierung: Es zählen auch "Kinder, die dem Grunde nach entstanden sind, wenn sie laut ärztlichem Attest innerhalb von sechs Monaten zu  erwarten sind". Folglich werden auch Paare berücksichtigt, bei denen die Frau im Bewerbungszeitraum für die Bauplätze, also vom 1. bis 31. März, mindestens im dritten Monat schwanger ist. 

Während sich der Stadtrat einstimmig hinter ein Punktesystem für die Vergabe von Bauplätzen stellte, war er bei der Preisfindung uneins. Die Verwaltung hatte 300 Euro pro Quadratmeter vorgeschlagen. Die Grundstücke sind durchschnittlich 516 Quadratmeter groß. Die Stadtbehörde begründete den Preis mit den eingangs erwähnten Infrastruktur-Bedingungen, die die Stadt ihren Bürgern bieten könne. 

Zwar nannte Jens Pauluhn (ÖDP) den Preis "sicherlich erzielbar", plädierte aber aus sozialen Gründen für 250 Euro pro Quadratmeter. Damit warf er die niedrigste Summe in die Diskussion. Unterstützung bekam er von Manfred Paul (SPD), der dies für junge Familien für annehmbar hielt. Thomas Rank versuchte es mit einem Kompromiss und 275 Euro, während Klaus Sanzenbacher (Grüne) argumentierte, das Eigentum der Stadt und damit der Bürger nicht unter Wert zu verkaufen. Am Ende gab es eine Mehrheit für den 300-Euro-Vorschlag der Verwaltung. 18:11 endete die Abstimmung gegen Stimmen von SPD, Grünen und ÖDP.

Kein Rabatt mehr für Familien und Behinderte

Schließlich diskutierte der Rat, ob man an der Praxis festhalten solle, Familien und Schwerbehinderten einen Preisrabatt zu gewähren. Das war in der Vergangenheit gängige Praxis. Nun aber werde diese Gruppe bereits über die neue Bauplatzvergabe nach Punktesystem bevorteilt, argumentierte die eine Hälfte des Stadtrats. Ein Rabatt – fünf oder zehn Prozent auf den Kaufpreis – wäre eine zweite Bevorzugung. Oberbürgermeister Stefan Güntner hatte ausgerechnet, dass der Rabatt etwa 9000 bis 10 000 Euro pro Bauvorhaben betragen würde.

Dass auch dieses Geld für junge Familie oder Behinderte wichtig sei, hielten Sabrina Stemplowski (CSU) und Uwe Hartmann (Bayernpartei) dagegen. Am Ende war die Entscheidung über diesen Punkt am knappsten: Mit 16:13 lehnte der Stadtrat Rabatte ab.

Wer auch immer nun einen Bauplatz erhält, wird in der Frida von Soden-Straße wohnen. Der Stadtrat ehrte mit der Namensgebung eine Diakonissin (1860 - 1933), die sich auf vielfältige Art um die Einwohner der Stadt verdient gemacht hat. An sie erinnert auch ein Seniorenheim in der Kanzler-Stürtzel-Straße.