Ob Heizöl oder Luxusauto, ob Handtuch-Heizkörper oder Fertighaus – es gibt kaum etwas, was eine 38-jährige Betrügerin sich nicht erschlichen hat. Nun muss die Mutter eines kleinen Sohnes für vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Drei Tage hat der Prozess gegen eine Büroangestellte aus dem Kreis Kitzingen gedauert, an jedem Verhandlungstag kam die vielfach vorbestrafte Frau hoch erhobenen Hauptes und meist mit einem leicht spöttischen Grinsen ins Landgericht Würzburg. Dass sie schon seit neun Monaten in Untersuchungshaft sitzt, merkte man ihr nicht an.

Die 38-Jährige ist eine notorische Betrügerin. Seit „mindestens 2001“, so die Erste Strafkammer in ihrem Urteil, hat sie Menschen betrogen, immer wieder Bewährungschancen bekommen, weil sie hoch und heilig Besserung gelobte – und trotzdem weitergemacht.

Jetzt hat ihre Vergangenheit die Frau, die an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet, eingeholt.

Sie hat richtig zugeschlagen: Nobelwagen edler Marken hat sie in verschiedenen Autohäusern „gekauft“, den Bau eines Holzhauses in Auftrag gegeben, ihr Elternhaus aufwändig renovieren und ein paar tausend Liter Heizöl liefern lassen. Bezahlt hat die 38-Jährige nie, wohl aber unglaubliche Geschichten erzählt von Schicksalsschlägen oder Lottogewinnen, die noch nicht auf dem Konto eingetroffen sind.

Die Autos wurden mit einigen Tausend Kilometern auf dem Tacho zurück gegeben oder geholt, das Haus steht noch, aber die Fertighaus-Firma hat keine Handhabe, weil andere Gläubiger ältere Rechte haben.

„Sie wollten Statussymbole, alles musste vom Feinsten sein“, sagt der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung zu der 38-Jährigen. Vor allem habe sie, die in ihrem letzten Job gerade mal 1100 Euro verdiente, „es genossen, hofiert zu werden“.

Das Mitleid des Gerichts mit den Geschädigten hielt sich allerdings in Grenzen. Sie hätten es der Betrügerin leicht gemacht, als sie ihr teure Autos samt Papieren ohne Gegenleistung überließen und ihr sogar ein Haus bauten, ohne je eine Schufa-Auskunft eingeholt zu haben, erklärt der Vorsitzende.

Zwar wurde die Frau zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Allerdings wird sie deutlich länger im Gefängnis bleiben müssen: Weil sie Bewährungsversagerin ist, werden die offenen Bewährungen mit hoher Wahrscheinlichkeit widerrufen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.