Er kennt den Jugendarrest, die Jugendstrafanstalt und seit Dezember 2011 auch die Justizvollzugsanstalt (JVA) für Erwachsene. Seit 2005 hat er in schöner Regelmäßigkeit und immer betrunken alle dreiviertel Jahre eine Straftat begangen. Zunächst als Jugendlicher, jetzt als Erwachsener. Wegen zwei Sachbeschädigungen bekam der 21-Jährige jetzt in Kitzingen vier Monate Freiheitsstrafe. Das heißt, er wird bis Januar 2013 im Knast sitzen.

Aus der JVA hatten ihn Beamte zur Verhandlung gebracht und dahin ging er nach der Verhandlung auch wieder zurück. Die war schnell vorbei. Der Angeklagte räumte alles ein. Anfang August 2011 hatte er nach einem Saufgelage und einem Streit seine Aggressionen an einer Eingangstüre abgeagiert und die Scheibe eingeschlagen. Schaden: 150 Euro. Drei Monate später waren 200 bis 300 Euro Schaden an einem Motorroller das Ergebnis einer unter Alkohol abgeschlossenen Wette: „Ich wollte zeigen, dass ich den Roller auch ohne Schlüssel starten kann.“ Dafür hebelte er mit einem Schraubenzieher die Verkleidung auf, mit dem entsprechenden Schaden.

Der Sachverhalt war also klar. Bei der Strafe waren sich Staatsanwältin und Verteidiger schnell einig. Vier Monate Freiheitsstrafe sollten das richtige Maß sein. Die große Frage war die nach einer Bewährung: Da gingen die Meinungen auseinander. Der Verteidiger verwies darauf, dass sein Mandant sich im Knast entschlossen habe, sein Alkoholproblem anzugehen und Kontakt mit der Suchberatung aufgenommen habe. Er hielt ein Bewährung für möglich.

„Nicht drin“, sagte die Staatsanwältin mit Blick auf das acht Punkte umfassende Vorstrafenregister. Dazu kam, dass der Mann bei den Straftaten unter offener Bewährung stand. Er war zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Nach drei Jahren kam er auf Bewährung raus.

„Im Prinzip hat gar nichts geklappt.“

Richter Marc Betz zum Angeklagten

Die allerdings ist so daneben gegangen, dass sie wieder aufgehoben wurde. Weil der Mann sich an keine Auflagen hielt, weder den Alkohol ließ, noch sich eine Arbeit suchte und auch noch einen Anhörungstermin platzen ließ, marschierte er wieder ein. Vorher hatte er noch die beiden Straftaten begangen, für die er jetzt auf der Anklagebank saß. „Bewährungsversagen“ nannte das die Staatsanwältin und sah auch wegen der enormen Rückfallgeschwindigkeit keine Chance auf Bewährung.

Diese Einschätzung fand sich auch im Urteil wieder: Vier Monate ohne Bewährung. Das Geständnis verbuchte Richter Marc Betz an auf der Habenseite. Die Ankündigung, sich endlich um das Alkoholproblem zu kümmern, reichte dem Richter nicht. Der Mann habe mit der vorzeitigen Haftentlassung seine Chance bekommen und die nicht genutzt, ganz im Gegenteil: „Im Prinzip hat gar nichts geklappt“, sagte der Richter. Dennoch forderte er den 21-Jährigen auf, sein angekündigtes Vorhaben umzusetzen und aus dem Knast heraus sein Alkoholproblem anzugehen. „Sie sind noch jung“, sagte er, „ergreifen sie die Chance und machen sie was aus ihrem Leben.“

Ob der das packt, ist offen. Jedenfalls kann der Mann mit dem Urteil und dem dadurch verlängerten Gefängnisaufenthalt leben. Er nahm es an. Es ist rechtskräftig.