Selten war der Zuspruch bei einer Bürgerversammlung in Mainbernheim so hoch wie am Dienstagabend im Gasthaus Schwarzer Adler: Zwischen Stadträten und Mitarbeitern der Verwaltung mischten sich rund 40 Einwohner, was auch daran liegen mag, dass es die letzte Bürgerversammlung war, die Bürgermeister Karl Wolf leitete. Er stellte sich nicht mehr zur Wahl und schiedt zum 1. Mai aus diesem Amt aus.

18 Jahre lang war Karl Wolf Bürgermeister; noch zwölf Jahre länger war er Mitglied des Stadtrats. Außerdem standen Schlüsselübergabe an den Nachfolger Peter Kraus sowie die Verleihung von Bürgermedaillen an den scheidenden Stadtrat Johann Ott sowie seinen langjährigen Kollegen Roland Scholler auf der Liste. Und mit Joachim Klatt erhielt ein Mann diese Auszeichnung nachträglich, der selbst von 1972 bis 1984 als Bürgermeister die Medaille mit initiiert hatte, diese aber bislang nicht erhielt.

Nachdem der Abend unter Feierstimmung beziehungsweise Abschiedsstimmung stand, geriet die Bürgerversammlung an sich daher ins Hintertreffen. Wolf zeigte anhand einer Präsentation die wichtigen Ereignisse des vergangenen Jahres auf. Da wäre die Straßensanierung des Goldgrubenwegs, die mit anderthalb Millionen Euro zu Buche schlug und in 2013 abgeschlossen wurde. Allerdings noch nicht für die Anlieger: Die erhalten noch ihre Bescheide, in denen sie anteilig zur Kasse gebeten werden.

Reaktivierung der Grabengärten

Die Reaktivierung der Grabengärten sind ein großes Thema, das die Gemeinde noch lange beschäftigen wird. Im Zuge dessen wurde neben der B 8 Grund erworben, wo neue Rad- und Gehwege entstehen. Außerdem werden Erschließungswege mit Parkmöglichkeiten sowie Querungshilfen und eine behindertengerechte Bushaltestelle gebaut.

Gegen Ende des Jahres schaffte die Meldung Verwirrung, dass Asylbewerber in ein Anwesen im Gartenweg einziehen, das aus Mitteln des Landkreises hergerichtet wurde. Für 22 Personen wäre Platz, derzeit wohnen dort acht Personen. Der anfängliche Schwung in der Bevölkerung, die Asylbewerber zu integrieren, sei mittlerweile leider etwas abgeebbt, sagte Wolf.

Hauptamtsleiter Hans Brummer verkündete, dass das ohnehin schon mit schnellem Internet gesegnete Mainbernheim auch in den kommenden Jahren weiter mit schnellen Leitungen versorgt wird. Bis zu 50 Mbit/s sind schon jetzt garantiert, 100 wären möglich.

Wolf streifte die Zahlen aus dem Haushalt der Gemeinde für 2014 und prophezeite seinem Amtsnachfolger sowie dem Stadtrat, dass die Themen Grabengärten, Sanierung der Anwesen in der Schulgasse, ein neues Energiekonzept für Mainbernheim sowie die geplante interkommunale Allianz mit anderen Gemeinden das Gremium auch in den kommenden Jahren beschäftigen werde.

Künftig wolle er sich ehrenamtlich weiter in der Stadt engagieren, im Grunde aber „ein ganz normaler Mainbernheimer sein“.

Zum Abschluss der Versammlung hatte Wolf dann noch persönliche Worte für Weggefährten und Bürger übrig. Bei Herbert Friedrich (CSU-Stadtrat und Landwirtschaftsreferent) entschuldigte er sich, dass er und der stellvertretende Bürgermeister Georg Gurrath, der ebenfalls ausscheidet, Friedrich wegen „grünen Gedanken“ oft bei seinen realpolitischen Ansichten hätten stehen lassen.

Bausünden und Grenzsteine

Und Karl Wolf zählte auch auf, was er in seiner Zeit als Bürgermeister nicht geschafft habe: Die Ortseinfahrt aus Richtung Willanzheim sei nach wie vor nicht einladend, manche Bausünde an der Stadtmauer sei nicht verhindert und der Grenzsteinproblematik sei er auch nicht wirklich Herr geworden.

Für die scheidenden Räte hatte Wolf noch ein besonderes Geschenk: Das Büchlein „Die Mär vom Bär“, eine mit Zeichnungen illustrierte Weihnachtsgeschichte rund um das Wappentier Mainbernheims aus der Feder von Angelika Sander. Das aufwändig gestaltete Werk wurde mithilfe von Gabriele Hügelschäffer ins Leben gerufen. Dem neuen Bürgermeister Peter Kraus übergab Wolf noch die Schlüssel der Gemeinde. Dieser dankte Wolf, dass er ein gut bestelltes Haus überlasse.

  • Lesen Sie dazu auch den Standpunkt von Timo Lechner.