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Possenheim

Karl Hofmanns authentisches Selbstzeugnis

Der engagierte Bürger präsentiert in seinem Buch "Possenheim im Lauf der Zeit" seine Erlebnisse seit 1945
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Freuen sich über das Werk "Possenheim im Lauf der Zeit", Bürgermeister Josef Mend (von links), Buchautor Karl Hofmann, Verleger Hans Meyer und Chronik-Geber Friedrich Bleicher. Foto: Hartmut Hess
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"Dieses Ereignis schreibt ein weiteres Stück Geschichte in Possenheim", meinte Iphofens Bürgermeister Josef Mend im Bürgerhaus bei der Buchpräsentation von Karl Hofmanns Werk "Possenheim im Lauf der Zeit". Das 116 Seiten umfassende Werk, das im Binturong-Verlag erschienen ist, bezeuge den teilweise rasanten Wandel nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders in den beiden vergangenen Jahrzehnten mit der Einführung des Internets.

Solch ein Buch stelle auch für die Kommunalpolitik ein gutes Werk da, sei doch aus der geschilderten Entwicklung abzuleiten sei, was die Entwicklung der Kommunen betrifft. Josef Mend dankte dem Scheinfelder Verleger Hans Meyer dafür, dass er der Stadt den gesamten Buchinhalt für das Stadtarchiv übergab. Mend zeigte sich bereit, dass die Stadt einige Exemplare kaufe um sie zu verschiedenen Anlässen zu verschenken.

"Der Hofmanns Karl hat alles zusammengetragen, der kennt sich aus Possenheim" sangen Hermine Fischer und Annette Schmidt einleitend. "Brauchen wir überhaupt ein Heimatbuch?, fragte sich Hans Meyer angesichts der Tatsache, dass jährlich in Deutschland 70 000 Bücher gedruckt werden. Er lieferte die Antwort gleich hinterher: Es brauche Bücher, die Zeitzeugen zu Wort kommen lassen, bevor ihr Wissensschatz verschwindet.

Er erinnerte an Johannes Gutenberg, der im Jahr 1440 der Erfinder des modernen Buchdrucks war. "Gutenberg war für die damalige Zeit ein Medienexperte, der Informationen unter die Leute brachte", erklärte Hans Meyer. Heutzutage hätten nur noch 18 Prozent der Bürger eine Zeitung, das Leben spiele sich heute nur noch im Internet ab. "Das Internet ist aber sehr oberflächlich und dort erscheinen Anschläge direkt neben der Anleitung für den Hausputz", gab der Verleger zu bedenken. "Heimat ist da, wo wir verstanden werden und wir verstehen", betonte Hans Meyer, er monierte, dass die Menschen seien heute so global abgehoben seien, dass sie ihre Heimat kaum noch kennen würden.

Für den Volkskundler Reinhard Hüßner war es etwas Besonders, dass ihm Karl Hofmann vergangene Woche sein Buch geschenkt hatte. Das Buch sei ein authentisches Selbstzeugnis, für das die Possenheimer dankbar sein dürften. Chroniken seien nur ein Gerippe, und Selbstzeugnisse das Fleisch daneben. Gerade in den Dörfern und auf dem flachen Land habe sich einst das Leben abgespielt, wohnten doch einst 80 Prozent der Bevölkerung auf dem flachen Land. Hofmanns Inhaltsangabe komme wie eine Perlenschnur daher, die alle in sich berge, was in den Dörfern wichtig war. Kennzeichnend für Dörfer seien die Vereine, die heutzutage eine immer wichtigere Rolle in den Dorfgemeinschaften einnehmen würden. Auch das Brauchtum sei ein Faktor auf dem flachen Land und war Karl Hofmann auch ein Kapitel wert. Das Brauchtum sollte nicht krampfhaft erhalten werden, sondern dessen Elemente in die heutige Zeit übertragbar seien. "Man kann Possenheim und die Stadt Iphofen zu einem Bürger wie Karl Hofmann nur beglückwünschen, solche Bürger kann man jedem Dorf wünschen", lobte Reinhard Hüßner.

Karl Hofmann hatte vor einem Jahr die Initiative zu dem Buch ergriffen. Der ehemalige Ortssprecher (1984 bis 2002) schrieb seine Erinnerungen und Erlebnisse von 1945 bis heute nieder. Eine große Hilfe war ihm dabei seine Tochter Inge Hofmann, die alle Texte erfasste. Der 79-jährige Autor konnte auf einige Sachen aus einer Chronik von vor 40 Jahren zurückgreifen, wofür er Friedrich Bleichner dankte. "Ein Flyer war uns zu wenig", sagte Karl Hofmann, der dann das Buch bei Hans Meyer in der Auflage von 200 Exemplaren drucken ließ. "Ich finde einen Obulus von zehn Euro angemessen", meinte Hofmann. Bei diesem bescheidenen Preis lief der Verkauf prächtig, kaum einer der Anwesenden ging ohne eine Buch nach Hause.