Die großen Bilder an der Wand zeigten es unverkennbar: An den Kanälen in Prichsenstadt muss dringend etwas getan werden. "Es ist die Summe der Problembereiche, die eine umfassende Sanierung erfordern", sagte Robert Thoma, als er den Stadträten am Donnerstag sein Schiedsgutachten erläuterte. Darin ging es vor allem um die brisanten Bereiche in der Schloss-, Freihof- und Kirchgasse in Prichsenstadt. Sanierungen stehen aber auch in einigen Stadtteilen an.

In seiner Zusammenfassung nannte der Gutachter die hydraulische Überlastung des schadhaften und undichten Kanals, die undichten Schächte, die schadhaften Anschlussstutzen und -leitungen und das Fremdwasserproblem.

"Das sind insgesamt gute Aussagen.
Wir haben jetzt ein Grundwissen und einen Vergleich mit den Gutachten des von der Stadt beauftragten Planungsbüros Braun und des Parteiengutachtens des Büros Jansen", erklärte Helmut Hümmer (FBG).

Viele Schadensbilder

Die Bilder an der Wand zeigten Schäden in den Rohrleitungen in den drei genannten Gassen, wobei es sehr schwere Schäden auf den ersten Metern in der Schlossgasse gibt. Gezeigt wurden eindringendes Grundwasser - "zu jedem Liter Abwasser kommen eineinhalb Liter Fremdwasser dazu" - angeschlagene Stutzen der Hausanschlüsse, Risse und Verformungen, verschobene Rohre, Kalkschlieren und Stalaktiten, Kalkablagerungen in den Schächten und Fremdwasser aus Drainagerohren. "Falls die geschlossen werden, besteht die Gefahr der Gebäudevernässung", kommentierte der Gutachter dies. Er sah in diesem Fall die Möglichkeit, im Zuge der Kanalsanierung einen Drainagestrang entlang des Kanals zu legen. Löcher an schadhaften Stellen im Kanal gäben Ratten die Möglichkeit, sich aufzuhalten und zu graben, "Sand und Boden dringen auch durch Drainagen ein und schadhafte Stutzen können nicht repariert werden, ohne aufzugraben".

Ein längeres Wortgefecht gab es zwischen dem Gutachter und Wolfgang Brosche (SPD) wegen der Wassermenge, wobei es auch um die angesetzten Niederschlagsmengen und die betroffenen Flächen in Prichsenstadt in den Gutachten Braun (4,2 ha) und Jansen (1,7 ha) ging. Thoma nahm dabei den Mittelweg und setzte eine Fläche zwischen 2,5 und 2,9 Hektar an.

Das Fremdwasser ist das Problem

Michael Glos jun. (CSU) sah aufgrund der Schäden im Kanal eine "latente Grundwasserverschmutzung, die die Gefahr kontaminierten Wassers beinhaltet". Eine Aussage, die der Gutachter bestätigte. Thoma, der sich in seiner Doktorarbeit mit dieser Problematik beschäftigte, gab zu bedenken, dass man vor Jahren ein anderes Umweltbewusstsein hatte, was das Eindringen von Abwasser in den Untergrund betraf: "Ich sehe in ländlichen Gegenden keine große Gefahr durch das Eindringen von Abwasser in den Boden. Das Fremdwasser ist das Problem."

Zum weiteren Vorgehen verwies der Gutachter auf Bodenerkundungen, da es bis jetzt um die Vorplanung gehe. "Wenn dann grünes Licht kommt, dann wird der Genehmigungsplan erstellt." Bürgermeister Adolf Falkenstein (CSU/FBG) verwies auf das Gesamtsanierungskonzept des Büros Braun "und erst dann erfolgt die Ausführungsplanung".

Inlinertechnik wäre in diesem Fall keine gute Lösung

Als "Knackpunkt" bezeichnete Robert Thoma "die sehr enge Freihofgasse". In diesem Falle konnte er sich einen "Umflutkanal" als "kleine Bypasslösung" vorstellen, "eine Idee, die ich mir aus dem Gutachten Jansen geholt habe". Gefragt wurde nach der Möglichkeit, den Kanal unter dem Freihof mittels Inlinertechnik zu sanieren. Thoma hält das in diesem Fall aber für keine gute Lösung.

Michael Glos sah nicht die Kanalsanierung, sondern die Straße als Problem, die dann saniert werden müsse. Da fast alle Hausanschlüsse repariert werden müssten, würde von ihr nicht viel übrig bleiben. Bürgermeister Falkenstein sah das gemeinsame Vorgehen in Sachen Kanalsanierung und Wiederherstellung der Straße als Chance, die Kosten zu reduzieren, zumal auch zur Hälfte über die Abwassergebühr finanziert werde.

Beifall von den Besuchern

"Da wurden Herstellungsbeiträge in utopischen Größen in den Raum gestellt und jetzt haben wir das dritte Gutachten", beklagte Hans-Dieter Kern (SPD). "Wir hätten den Bürger gleich mit ins Boot nehmen sollen, dann hätten wir keinen Zwiespalt." So habe der Bürger das Gefühl, zum Zahlen da zu sein. "Es besteht kein Zweifel, dass die Kanäle saniert werden müssen, aber es geht um das Wie!". Eine Aussage, die Beifall auf den vollbesetzten Publikumsplätzen auslöste. "Auch 100 Gespräche hätten die Kosten nicht reduziert", hielt der Bürgermeister diesen Aussagen entgegen.

Ausführliche Gespräche und Diskussionen zur Thematik sind am 8. Mai möglich, wenn das Gutachten den Anliegern und interessierten Bürgern vorgestellt wird. Zudem sprach sich der Rat einstimmig dafür aus, die CD mit dem Gutachten den Anliegern unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, die übrigen Bürger müssen zehn Euro pro CD bezahlen. Der Vorschlag, bezüglich des Gutachtens des Büros Braun zum Sanierungskonzept der östlichen Altstadt ebenso zu verfahren, wurde mehrheitlich abgelehnt.

Bei einer Gegenstimme beschloss der Stadtrat, dem Landratsamt die Unterlagen des Büros Braun zur Gesamtsanierung im Abwasserbereich der Stadt Prichsenstadt und von acht Stadtteilen (Kirch- und Altenschönbach sind ausgeschlossen) vorzulegen. Die Stadt behält sich dabei vor, bei neuen Erkenntnissen die Planungsunterlagen fortzuschreiben. Ansonsten wäre ein Zwangsgeld von 5000 Euro fällig gewesen, da eine erneute Aufforderung des Landratsamtes vorlag, das Sanierungskonzept bis zum 2. Mai vorzulegen.