Egal, ob Erlebnisgastronomie, Veranstaltungsmanagement oder die Werkstatt des Familienimperiums Strohofer in Geiselwind - Geschäftsführerin Ruth Strohofer hat alles im Griff. Dass sie eine Frau ist, spielt für sie keine Rolle. Auch nicht für ihre Geschäftspartner und Kunden.
Eine Frauenquote hat die 43-Jährige nicht gebraucht, um den Sprung in die Geschäftsführung zu schaffen. In den Betrieb, der heute aus der Autohof Strohofer GmbH und dem Erlebnisrasthof Strohofer besteht, ist sie von klein auf hineingewachsen. In ihm hat sie ihre Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert und parallel zum Betriebswirtschaftsstudium gearbeitet. "Ich war schon in jeder Abteilung und weiß, wovon Mitarbeiter sprechen."
Wie viele Stunden sie pro Woche arbeitet, möchte sie lieber nicht zusammenzählen - es sind viele. Schließlich stehen am Wochenende nach den Bürozeiten zumeist Veranstaltungen an. Vor 6 Uhr in der Früh kommt die Geschäftsführerin dann selten ins Bett.
Ruth Strohofer bezeichnet sich selbst als Zahlenmensch, der analytisch vorgeht, aber auch kreativ ist: "Das habe ich von meiner Mutter geerbt." Ihr Vater Anton Strohofer, mit dem sie sich die Geschäftsführung teilt, verkörpere dagegen eher den alten Unternehmergeist. "Er lässt sich viel mehr von seiner Intuition leiten."
Ihre eigene Arbeit unterscheide sich deshalb stark von der ihres Vaters. Welche Unterschiede allerdings darauf zurückgehen, dass ihr Vater ein Mann und sie selbst eine Frau ist, kann sie nicht sagen. "Wir gehören ja auch einer anderen Generation an." Zudem sei das typische Rollenverhalten im Betrieb Strohofer als Großfamilie nicht so stark ausgeprägt.
Dass Männer und Frauen insgesamt unterschiedlich arbeiten, hat sie trotzdem feststellen können. "Frauen kommunizieren zum Beispiel ganz anders und versuchen, mehr zwischen den Zeilen zu lesen." Zudem könnten sie unterschiedliche Meinungen eher zu einem Konsens zusammenführen.
Prinzipiell ist es ihrer Meinung nach für jedes Unternehmen ein Gewinn, beide Geschlechter vertreten zu haben, so wie es bei ihr der Fall ist: Hier stehen je zwei Restaurantleiterinnen für Rasthof und Schnellrestaurant zwei Küchenchefs gegenüber. Werkstatt und Metzgerei werden von zwei Meistern geleitet und im Hotel hat Nichte Isabell Strohofer die Führung übernommen. "Im Moment dominieren bei uns die Frauen, was wir aber nicht bewusst gesteuert haben." Trotzdem denkt die Geschäftsführerin, dass weibliche Bewerber es in ihrem Betrieb einfacher haben, als woanders.
"Als Frau schaue ich, dass ich jedem die gleiche Chance einräume und jeden gleich behandle." Dieses Denken sei noch nicht überall verbreitet.
Probleme haben Frauen ihrer Erfahrung nach vor allem nach Familienauszeiten. "Eine Freundin mit Ausbildung und Studium hat vom Arbeitsamt nach ihrer Familienauszeit gesagt bekommen, dass sie nun als Fachkraft nicht mehr vermittelbar sei." Ganz so heftig treffe es zwar nicht alle Frauen, aber in der Regel steige eine Mutter nach der Elternzeit nicht mehr auf der gleichen Ebene ein.
Dabei gehören Frauen für Ruth Stroho fer auf jeden Fall in die Führungsetagen: "Schließlich sind junge Frauen heute sehr gut ausgebildet."
Eine natürliche Frauenquote, wie sie sich in Geiselwind natürlich eingestellt hat, fände die 43-Jährige in ganz Deutschland wünschenswert. Da das aber bislang eine Utopie ist, befürwortet sie eine gesetzlich vorgeschriebene Quote: "In welcher Höhe, sollte noch diskutiert werden." Zudem sollte sie nicht auf ewig sein, sondern nur als Initialzündung dienen. Eines ist ihr aber mindestens genauso wichtig wie die Quote: ausreichend Betreuungsmöglichkeiten. "Nicht jeder hat wie ich den Vorzug einer Großfamilie im Rücken."