An die 50 Bürger aus Marktbreit und Umgebung waren auf Einladung des Träger- und Fördervereins ehemalige Synagoge Obernbreit gekommen, um sich von Stadtführerin Ulrike Zink Häuser in Marktbreit zeigen zu lassen, in denen einst Juden wohnten.

War schon die Zahl der Gebäude beeindruckend, so zeigte erst die Erwerbstätigkeit ihrer Bewohner, wie entscheidend die wirtschaftliche Bedeutung der Handelsstadt ihnen zu verdanken war, teilt der Förderverein mit. Fast 30 Unternehmen prägten das Image der Weinhandelsstadt Marktbreit. Neben ihrer Rolle im Kaffeehandel versorgten sie aus dem „Mittelzentrum“ Marktbreit heraus mit ihren Handwerksbetrieben und Läden das Umland.

„Wer wird je verstehen, dass ausgerechnet hier unter dem späteren Gauleiter die antijüdische Hetze früh einsetzte und schließlich kumulierte in der reichseinheitlichen Vertreibung und Vernichtung“, heißt es außerdem Mitteilung des Fördervereins zur Exkursion an die Presse, verfasst vom Vorsitzenden Friedrich Heidecker.

127 jüdische Einwohner 1927

Auch die dunkle Seite deutscher Geschichte sparte Ulrike Zink nicht aus, indem sie einige Schicksale nach Quellenlage oder Schilderung von Zeitzeugen vorstellte wie etwa das von Carola Bolley, die sich selbst tötete zum Schutz ihres christlichen Mannes, der sich sich nicht von ihr scheiden lassen wollte.

Fast zwei Stunden lang ging es bei wenig frühlingshaften Temperaturen durch das alte Marktbreit von einem Haus zum nächsten mit der jeweils passenden Hintergrundinformation in emotionaler Art.

Wo sind sie geblieben? Von den 127 jüdischen Personen, die 1933 in Marktbreit lebten, kehrte nur eine Frau zurück. Wer nicht rechtzeitig auswandern konnte, wurde ermordet.